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Melanie Challenger

Wir Tiere

Eine neue Geschichte der Menschheit

(1)
Wir Tiere
Hardcover
22,00 [D] inkl. MwSt.
22,70 [A] | CHF 30,90 * (* empf. VK-Preis)
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Eine vollkommen neue Geschichte der Menschheit.

Wir Menschen sind die neugierigsten, emotionalsten, einfallsreichsten, aggressivsten und gleichzeitig verwirrendsten Tiere auf dem Planeten. Doch wie gut kennen wir uns wirklich? Hadern wir mit unserer eigenen tierischen Natur und vernachlässigen damit einen zentralen Aspekt unseres Menschseins? Challengers revolutionäres Buch kombiniert neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus Natur- und Umweltgeschichte, Biologie und Philosophie, und führt uns thematisch von den frühen Agrargesellschaften über die Antike und die Moderne bis hinein in die nahe Zukunft der künstlichen Intelligenz.

»Challengers Appell zur Überwindung des Konflikts mit unserem «Tiersein» ist provokativ, anregend und glänzend geschrieben.«

NZZ am Sonntag, Kathrin Meier-Rust (26. September 2021)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer
Originaltitel: How to be Animal: A New History of What it Means to Be Human
Originalverlag: Canongate
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 978-3-442-75854-8
Erschienen am  23. August 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Kluge Betrachtungen zu unser Einbettung in die Natur

Von: fwe-blog

11.11.2021

Angesichts der existenziellen Bedrohungen durch Viren und Umweltzerstörung gibt es aktuell viele gute Gründe, sich mit der biologischen Basis unserer Spezies intensiv auseinanderzusetzen. Die Betrachtungen von CHALLENGER gehen über diese Anlässe weit hinaus und richten den Blick auf das Grundsätzliche. Es geht nicht um die Verwobenheit mit und die Abhängigkeit von der Natur; indem sie den Menschen auf sein Tier-Sein zurückwirft, stellt sie das gesamte Narrativ über die Sonderstellung des Menschen prinzipiell in Frage. Dass dies für mache Menschen auch als provokativ wahrgenommen werden könnte, ist der Autorin bewusst. Die Autorin ist keine Naturwissenschaftlern; sie nähert sich der Thematik als Literatin. Genau das prägt den Stil dieser Publikation, die eher ein langer Essay als ein strukturiertes Sach- oder Fachbuch ist. CHALLENGER umkreist das Thema eher als es systematisch abzuarbeiten. Ihr Stil ist eher assoziativ, sie lässt Gedanken wandern, formuliert bildhaft, oft auch poetisch. Ihre Sprache dient nicht nur zur Übermittlung von Informationen, sie ist ein Teil der Botschaft – eher lebendig fließend als logisch gegliedert. Sie lädt ein, sich mit ihr treiben zu lassen – ohne sich jedoch zu scheuen, an vielen Stellen passende Untersuchungen oder wissenschaftliche Befunde ins Feld zu führen. Insgesamt geht es ihr weniger um das Vermitteln von Wissen, sondern um das Werben für eine bestimmte Haltung. Inhaltlich geht es CHALLENGER darum, die Mythen über den prinzipiellen Unterschied zwischen Tieren und Menschen zu widerlegen. Sie beschreibt die ursprünglichen Theorien über vermeintliche qualitative Sprünge und nennt die entscheidenden Befunde (bzgl. Intelligenz, Sprache, Bewusstsein, Altruismus), die diese Sichtweise inzwischen in Frage stellen. Natürlich wird auch deutlich, dass das Narrativ von der Trennung zwischen Tier und Mensch wichtige Funktionen für das (narzisstische) Selbstverständnis der überlegenen Gattung hatte und hat. Für die Autorin überwiegen eindeutig die Nachteile, die sie mit der Abgrenzung von der übrigen Mit-Tierwelt verbunden sieht. Sie sieht uns entfremdet von unserem organischen Sein, hält die dichotome Betrachtung von „Körper“ und „Geist“ für einen folgenschweren Fehler und sieht in den Versuchen, uns durch die Entwicklung von Mensch/Maschine-Systemen immer mehr von dem biologischen Substrat zu entfernen, eine fatale Fehlentwicklung. Die Unsterblichkeits-Fantasien des Silicon-Valleys und die Hoffnung, den menschlichen Geist in anorganischer, digitaler Form zu erhalten und ihn womöglich dem Weltall als ewige Gabe zu hinterlassen, stellen für sie die extremste Form einer falschen Denkweise dar. Aber CHALLENGER betrachtet die Folgen des Abgrenzungswahns (meine Formulierung) auch auf der anderen Seite des Grabens: für die (sonstigen) Tiere. Dieses Buch ist auch ein leidenschaftliches Plädoyer für einen verantwortungsvollen und einfühlsamen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen. Sie hält es für nicht begründbar, dass wir das Attribut der „Würde“ ganz für uns allein reklamieren. Genauso, wie wir menschliche Würde nicht von der aktuellen Funktionsfähigkeit eines ichbewussten Gehirns abhängig machen sollten, dürften wir auch die unzweifelhaft vorhandenen Zwischenstufen von tierischer und menschlicher Denk- und Empfindungsfähigkeit nicht unbeachtet lassen. Die von uns als selbstverständlich definierte Verfügungsgewalt über jegliches tierisches Leben bestreitet CHALLENGER mit Nachdruck. Der eher episodische Aufbau des Buches hat auch einen Preis: Freunde strukturierter Systematik werden immer wieder mal ratlos und genervt nach dem roten Faden suchen. Redundanz ist bei dieser Form des netzartigen Umgarnens der Grundgedanken wohl kaum zu vermeiden. Manche Dinge werden sicher häufiger gesagt, als es zum Verständnis der Botschaft notwendig wäre. Wer sich auf eine Mischung zwischen Fakten und Stimmungen einlassen kann, wer den Prozess der Vermittlung nicht nur als Erkenntnisgewinn, sondern auch als emotionales Erlebnis genießen möchte, der/die eignet sich als Leser/in für dieses Buch. Über mangelnde Denk- und Fühlanstöße wird sich kaum jemand beschweren. Eine „Neue Geschichte der Menschheit“ (Untertitel) ist dieses Buch allerdings definitiv nicht.

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Vita

Melanie Challenger studierte Literatur und Sprache an der Universität Oxford. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Librettistin für klassische Musik, bevor sie sich der Erforschung naturgeschichtlicher und bioethischer Themen widmete. Ihr erstes Buch »On Extinction« zählte laut Publisher's Weekly zu den besten Sachbüchern des Jahres 2012. Sie ist außerdem preisgekrönte Lyrikerin. Unter Anderem adaptierte sie als Librettistin das Tagebuch von Anne Frank als Chorwerk für James Whitbourn, der dafür mit einem Grammy geehrt wurde. Für ihre Arbeiten über die kanadischen Inuit erhielt Melanie den renommierten Darwin Now Award. Die British Antarctic Survey machte sie für ihre Arbeiten über die Geschichte des Walfangs zum Fellow. Derzeit ist sie Mitglied des Nuffield Council on Bioethics und lebt mit ihrer Familie mitten in einem Waldstück.

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