Was der Fluss erzählt

Roman

Hardcover
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Eine stürmische Winternacht im ländlichen England des späten 19. Jahrhunderts: In der uralten Gaststube des "Swan" sitzen die Bewohner von Radcot zusammen und wärmen sich an ihren Geschichten und Getränken, als ein schwer verletzter Mann mit einem leblosen Mädchen im Arm hereinstolpert. Eine Krankenschwester wird gerufen, die nur noch den Tod des Kindes feststellen kann. Als sie jedoch ein paar Stunden später die Todesursache festzustellen versucht, bemerkt sie, dass das Kind atmet und sich bewegt. Ein Wunder? Oder etwa Zauberei? Oder gibt es dafür eine wissenschaftliche Erklärung? Und woher kommt das Mädchen?

Ein stimmungsvoller Roman, der einen davonträgt wie ein Fluss, in eine Welt, in der Imagination und Wirklichkeit sich überlagern.


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Anke & Eberhard Kreutzer
Originaltitel: Once upon a River
Originalverlag: Atria Books
Hardcover mit Schutzumschlag, 576 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 2 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-89667-329-9
Erschienen am  19. Oktober 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Ein perfekter Schmöker

Von: Yvonne S.

16.02.2021

Es wird etwas passieren. Diese Ahnung, nein, diese Erkenntnis beschlich sie schon einen Tag vor dem rätselhaften Ereignis, das sie für ein ganzes Jahr in Atem halten sollte. „Sie“ – das sind beispielsweise Joe, der lungenschwache Wirt aus dem Swan, oder Robert Armstrong, der sich große Sorgen um seinen Ältesten macht, desgleichen die von vielen Ängsten geplagte, etwas schrullige Lily White sowie die um ihre verschwundene Tochter trauernde Helena Vaughn. Sie alle – und noch viele Personen mehr – werden von einem mysteriösen Besuch im Swan erschüttert: Da steht doch eines Winternachts Ende des 19. Jahrhunderts ein fremder Mann auf der Schwelle des Gasthauses, blutüberströmt und ein lebloses Kind in den Armen. Die eilig herbeigerufene patente Krankenschwester kann zwar seine Wunden versorgen, für das kleine Mädchen scheint indes jede Hilfe zu spät zu kommen. Kein Puls. Kein Atem. Das Kind ist tot … zumindest denken das alle Anwesenden, bis – ja, bis die Kleine sich plötzlich zu regen beginnt. Sie ist scheu, sie spricht nicht, aber sie ist zweifellos lebendig! Doch wer ist das mysteriöse Mädchen? Robert Armstrong ist sich sicher: seine ihm bis dato unbekannte Enkelin, die kurz zuvor am Fluss zum letzten Mal gesehen wurde. Helena Vaughn ist sich sicher: ihre vor zwei Jahren verschwundene Tochter, die aus ihrem herrschaftlichen Haus am Fluss entführt worden ist. Lily White ist sich sicher: ihre kleine Schwester, die vor fast vierzig Jahren ebenfalls am Fluss verschwand … wer auch immer die Kleine ist, eines scheint festzustehen: „Der Fluss holte wieder Luft und beim nächsten Mal atmete er ein Kind aus.“ (S. 129) Eine zugleich betörende und beängstigende Flusslandschaft, ein rätselhaftes Kind, viele teils undurchsichtige Interessen und noch mehr Gefühle: „Was der Fluss erzählt“ (aus dem Englischen von Anke und Eberhard Kreutzer) ist ein rundum gelungener Schmöker – ja, ich bemühe ganz bewusst dieses etwas angestaubte Wort für eine fesselnde, unterhaltsame, lebendige Lektüre, die ihren Leser*innen nicht zu viel abverlangt und sie gleichzeitig gekonnt in eine andere Welt, eine andere Wirklichkeit entführt. Die Erzählung fließt dahin wie der titelgebende Fluss, windet sich in Biegungen, hält kleine, tückische Strudel bereit und trägt ihre Leser*innen sanft schaukelnd mit sich, einer ungewissen Mündung entgegen. Wer der derzeit vielfach doch recht deprimierenden Realität für eine Romanlänge entfliehen will, ist mit diesem Buch bestens bedient – es ist der perfekte Begleiter für ein Wochenende, an dem man den Alltag vergessen will und sich mit Wolldecke und Tee wohlig auf der Couch einmummelt!

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Die Macht liegt in den Geschichten, die wir erzählen

Von: Barbaras Bücherbox

11.02.2021

„Solche Geschichten erzählt man besser am Fluss als in einem geschlossenen Raum.“ Es war einmal ein Wirtshaus am Ufer der Themse: Der Swan. Man trank und aß dort, saß beisammen und genoss die Ruhe des Abends nach einem schweren Arbeitstags. Aber vor allem erzählte man sich dort Geschichten. Doch eines Nachts passierte etwas, und das Swan wurde selbst Teil einer Geschichte. An einem kalten, feuchten Abend wurde die schwere Tür aufgestoßen und aus dem unförmigen Schatten schälten sich ein großer, schwer verletzter Mann und eine Puppe, die er in den Händen trägt. Als der Verletzte stürzte und ohnmächtig wurde, fing ein Junge die Puppe auf. Noch während die die Gäste sich um den Mann versammelten, bemerkte der Junge: Das zarte Ding war gar keine Puppe. Es war ein totes Mädchen. Im Swan ging es drunter und drüber: woher kamen die beiden? War der Mann ihr Vater? Woher hatte er seine schweren Verletzungen? Wo war ihr Boot? Und was machten die beiden – ein Vater und seine kleine Tochter – bei solch schlechtem Wetter auf der Themse? In all der Aufregung und der Sorge um den Unbekannten, kehrte – fast völlig unbemerkt – das totgeglaubte Mädchen ins Leben zurück … Mit #wasderflusserzählt habe ich nun alle bisher erschienenen Romane von #dianesetterfield gelesen – und, was soll ich sagen, geliebt. Das liegt vor allem an dem ruhigen, fast märchenhaften Schreibstil, der zwar einerseits eine gewisse Distanz zu den Figuren hält, andererseits aber auch einen Zauber über die Geschichte legt, der einen glauben lässt, teilweise eine überlieferte Sage zu lesen, eine alte Geschichte, der vielleicht über die Jahre hinweg hier und da etwas hinzugedichtet worden ist. Doch worum geht es? Die Geschichte dreht sich um das Mädchen, das – erst tot, dann lebendig – den Platz mehrerer verschwundener Kinder einnimmt und, man könnte fast sagen, zum Spielball in Familientragödien wird. Wir wechseln häufig zwischen den Perspektiven der Bewohner rund um den Swan, wobei tatsächlich auch der Fluss als solches eine tragende Rolle, fast schon wie eine Figur, einnimmt. Das Ganze kann natürlich auch nach hinten losgehen, denn durch dieser Erzählperspektive und der damit verbundenen Distanz, ist die Geschichte niemals spannungsgeladen und vielleicht sogar ein wenig träge, das Mitfiebern mit den Figuren bleibt dadurch auf der Strecke. Mir persönlich war es nie zu langweilig, ich denke aber, dass diese Erzählart nicht jedermanns Geschmack trifft. Gerade aber Leser, die ihr zweites Buch, Der Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman, mochten, werden auch dieses Buch lieben. Mir auf jeden Fall ging es so und Diane Setterfield hat auch mit ihrem neuen Buch gezeigt, dass sie zu meinen Lieblingsautorinnen gehört.

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Vita

Diane Setterfield ist promovierte Romanistin und lebte viele Jahre in Frankreich. Bevor sie sich Vollzeit der Schriftstellerei widmete, arbeitete sie als Lehrerin. Ihr Debüt, »Die dreizehnte Geschichte« (Blessing, 2007), war ein internationaler Bestseller und wurde mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle von der BBC verfilmt. Diane Setterfield lebt in Oxford.

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