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Sommer

Roman

HardcoverNEU
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Eine Geschichte über Menschen, denen große Veränderungen bevorstehen. Sie sind eine Familie und glauben doch, Fremde zu sein. Was verbindet diese Menschen? - Der Sommer. Da ist zum Beispiel Sacha, 16, die Probleme mit ihrem kleinen Bruder hat, einem hochbegabten, die Schule schwänzenden Einstein-Fan; und eigentlich will sie die Welt retten, aber ihre Eltern sind ihr da auch keine Hilfe. So weit die Gegenwart. In der Vergangenheit verbringen ein anderer Bruder und eine andere Schwester einen wunderschönen Sommer, obwohl sie wissen, dass die Zeit gegen sie arbeitet …

»Mit ›Sommer‹ hat Ali Smith ein literarisches Projekt abgeschlossen, wie es in der Gegenwartsliteratur nicht viele geben dürfte.«


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Silvia Morawetz
Originaltitel: Summer
Originalverlag: Hamish Hamilton
Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87581-1
Erschienen am  26. July 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Ende und Anfang

Von: Bjoernandbooks

15.09.2021

Der Sommer – die Jahreszeit der Sonne, der Wärme und Hitze, des Verharrens in wohligem Zufriedensein. Die 16jährige Sacha und ihr 13jähriger Bruder Robert werden groß in einer Zeit des Umbruchs, der Zäsur – im Jetzt. Ein Virus erobert die Welt, spaltet Gesellschaften, wirft ein jedes Individuum auf sich selbst zurück. Die beiden Jugendlichen sind blitzgescheit, entwerfen permanente Visionen für die Zukunft des Landes und des Erdballs. Robert orientiert sich an seinem Idol Albert Einstein, der die Verbindung herstellt in eine Zeit der Gewalt, der Verfolgung, eine Zeit, in der Daniel Gluck, mittlerweile 104 Jahre alt, mit seinem Vater in einem Lager auf der Isle of Man die Kriegswehen verbrachte. Seine Gedanken, damals wie heute, bei seiner Schwester Hannah, die unter falschem Namen gefährdeten Menschen neue Identitäten besorgte. Damals wie heute, Parallelen, die sich auftun, Ereignisse, die sich wiederholen, neu bewertet, neu orientiert, irgendwie anders, aber oftmals ganz ähnlich. „Vergebung, sagte Sacha, ist der einzige Weg, den unumkehrbaren Lauf der Geschichte zu ändern“ (S. 21) - „Denn Sommer ist nicht bloß eine fröhliche Geschichte. Weil es fröhliche Geschichten nicht gibt ohne das Dunkle“ (S. 288) Der „Sommer“ schließt Ali Smiths Jahreszeiten-Quartett und führt uns als Leser*innen vor Augen, wie eng Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verzahnt sind. Sie schafft textuelle Strukturen der Ähnlichkeit, assimiliert und kontrastiert Zeiten, Objekte, Menschen und deren Aufgaben. Dabei arbeitet sie nicht nur auf der Meta-Ebene, indem sie die narrativen Stränge auf historisch verbriefte Ereignisse treffen lässt, sondern schafft intertextuelle Verweise auf die anderen drei Bände ihrer Tetralogie. Mit Daniel Gluck, Charlotte, Art und dessen Tante Iris integriert sie bereits bekanntes Figurenrepertoire und lässt dieses auf zwei Jugendliche und ihre Mutter treffen. Besonders Sacha und Robert repräsentieren die neue Generation, die neue Wirklichkeit, abseits von heteronormativen Geschlechtskategorien, beide so detailverliebt skizziert, dass man sie einfach nur mögen kann ob ihrer Unangepasstheit. Der Blick auf die Welt im Kontrast zu den Eltern-Generationen, die Hoffnung, der Optimismus, das wache Auge werden zum bejahenden, positiven Element, der trotz aller Schrecklichkeit im Zurückliegenden und Seienden nie verloren geht. Ali Smith skizziert ein Bild unserer Zeit, die von der Vergangenheit lernen kann. Sie bedient sich erneut dem intellektuellen Kanon von Shakespeare über Keats, lässt die gegenwärtigen Debatten zur Corona-Pandemie, zur Migration zu politischen Diskursen den Brexit betreffend literarisch punktgenau einfließen. Das hat einerseits eine große Kraft, Eloquenz und Cleverness und zeugt andererseits auch von einer hohen Sensibilität. Sie arbeitet sich gekonnt an Gegensatzpaaren ab – warm und kalt, hell und dunkel, richtig und falsch – und weist gleichermaßen auf die Leerstellen in diesen Kontrastierungen und unser aller Leben hin, die wir mit unseren ganz persönlichen Überzeugungen füllen können. Ali Smiths „Jahreszeitenquartett“ und „Sommer“ im Besonderen ist ein moderner Ratgeber, der uns alle zum Aufbruch motiviert, uns Hoffnung und Orientierung gibt. Wer nicht weiter weiß, sollte in diesen Zeiten Ali Smith zurate ziehen!

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Sommer – Jahreszeiten Zyklus

Von: thursdaynext

08.09.2021

Sommer … schon das Wort zaubert Erinnerungen, Düfte, Wärme und wunderschöne faule Tage am See herbei. Auch das fängt Ali Smith im Abschlussband ihrer Tetralogie ein. Weshalb ich Tetra- statt Quadrologie schreibe? Weil die vier Jahreszeitenbände zusammengehören und doch selbständig zu lesen sind. Aber weshalb sollte man das tun, einmal angefixt von Ali Smith unnachahmlicher Schreib- und Erzählkunst wird man sich sicherlich durch ihr gesamtes Werk lesen wollen. Smith beginnt diesen Romanzyklus mit „Herbst“ und endet mit „Sommer“. Dem Sommer 2020. Die Pandemie zeigt sich, zumindest in Großbritannien ein wenig, hat aber noch nicht dieses allseits belastende Ausmaß angenommen zu dem sie sich entwickeln sollte. Es ist 2020 das Ausmaß an Unwahrheiten, Unterdrückung von Minderheiten und Nichtbeachtung der Klimaveränderungen ruft Proteste hervor: „Millionen von Menschen sagten es nicht. Millionen und Abermillionen, im ganzen Land und auf der ganzen Welt sahen das Lügen, sahen wie übel Menschen und dem Planeten mitgespielt wurde und erhoben die Stimme, auf Demonstrationen, bei Protesten, bei Wahlen …“ Doch die Mächtigen dieser Welt setzen ihnen ein achselzuckendes und? entgegen und lügen weiter unverholen. Manipulieren, demonstrieren Gleichgültigkeit, ignorieren.“ Sacha ist 16 und tut das nicht, sie setzt sich für den Planeten ein, während ihr Bruder, trotz seiner Intelligenz, vollends auf die wahnwitzigen Versprechungen des Neoliberalismus vertraut. Er ist 13, hochbegabt, wurde gemobbt und verehrt Albert Einstein. So begibt sich die leicht dysfunktionale Teilfamilie auf die Suche nach Einsteins Englandstationen. Grace, die Mutter der beiden möchte dabei den Sommer, als sie in der Jugend mit einer Shakespeareschauspielertruppe durchs Land zog wiederentdecken. Ein wenig Heilung nachdem ihr Mann sie verlassen hat. Auf die Idee kamen sie durch Art und dessen Exfreundin die bereits in einem anderen Jahreszeitenroman auftraten. Ebenso wie Daniel Gluck, der gerade altersbedingt seine Denkfähigkeit verliert. Er war als junger Mann in einem Lager für „feindliche Ausländer“ interniert, dabei kam er mit seinem Vater nach England, um Schutz vor den Nazis zu finden. All diese Geschichten verwebt Ali Smith zu einem feinen, manchmal poetischen oder an Literatur anknüpfenden Gesamtkunstwerk. Mit Sommer gewann sie den Orwell Prize for Fiction 2021. Wer wenn nicht sie. Denn Ali Smith ist eine Autorin, die etwas zu sagen hat, man sollte ihr zuhören, denn auch wenn ihre Romane in Großbritannien spielen, sind sie, zumindest was die westliche Welt betrifft, universell. Die Spaltung der Gesellschaft durch die drängenden Probleme unserer Zeit und den Umgang damit, sind im vom Brexit geplagten England keine anderen, als jene in Deutschland oder den USA oder Frankreich, Spanien, Griechenland … Überall brennt es, manchmal im Wortsinn, aber immer gibt es Menschen und spaltenden Hass, der, befeuert durch (a)soziale Medien und Fake News, versucht einen Staus Quo zu erhalten, der den Planeten zwar zerstören wird, die fatale Gier einiger weniger nach Macht und Geld aber ansatzweise befriedigt. Ansatzweise weil es kurzfristig und kurzsichtig ist. Diese Denke „nach mir die Sintflut“ scheint weit verbreitet in Großaktionärs- Politker- und Konzernlenkerkreisen. Dazwischen gibt es diese kleinen, fragilen, unsicheren Menschenleben, so unwichtig und dabei doch so einzigartig, spannend und wunderbar. So leicht und intensiv wie diese Autorin die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen vermag, und trotz aller Komplexität locker erzählt, Kunst, Politik, Gesellschaft und Schönheit verquickt und festhält, das ist wirklich großartig. Absolute Lesempfehlung für den Jahreszeitenzyklus. 28 Dodos für Ali Smith samt dem Dodo Award. Ich war mal wieder hingerissen und weggetaucht. Komplimente an die grandiose Übersetzerin Silvia Morawetz und die Umschlaggestaltung von Luchterhand.Wer das Vergnügen noch vor sich hat, der Herbst naht und dann ist die Zeit einzusteigen und mitzulesen.

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Vita

Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihr Roman »Beides sein« wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women’s Prize for Fiction. Mit »Herbst« kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize sowie auf Platz 6 der SWR-Bestenliste.

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Silvia Morawetz

Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

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Pressestimmen

»So virtuos und glaubhaft, wie Ali Smith ihre Romanfiguren zeichnet, so gekonnt verbindet sie auch die verschiedenen Zeitebenen und Handlungsstränge.«

Michael Hirz / Kölner Stadt-Anzeiger (06. August 2021)

»Das Finale einer Tetralogie auf literarisch hohem Niveau beeindruckt durch Raffinesse und große Lust am Erzählen.«

Norbert Mayer / Die Presse (27. July 2021)

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