Sie haben sich erfolgreich zum "Mein Buchentdecker"-Bereich angemeldet, aber Ihre Anmeldung noch nicht bestätigt. Bitte beachten Sie, dass der E-Mail-Versand bis zu 10 Minuten in Anspruch nehmen kann. Trotzdem keine E-Mail von uns erhalten? Klicken Sie hier, um sich erneut eine E-Mail zusenden zu lassen.

Pajtim Statovci

Grenzgänge

Roman

(3)
Hardcover
22,00 [D] inkl. MwSt.
22,70 [A] | CHF 30,90 * (* empf. VK-Preis)
Benachrichtigungen aktiviert

In der Buchhandlung oder hier bestellen

Von Anfang an hasst er das, was er nicht sein kann. Im politischen Chaos Tiranas aufgewachsen, treibt Bujar nach dem Tod des Vaters durch eine Welt sich auflösender Grenzen: Auf seiner Odyssee quer durch Europa über New York bis nach Helsinki geht es ihm irgendwann nicht mehr um das Ankommen. Es geht ihm um die Freiheit, alles zu sein. Bujar ist Mann, ist Frau. Er liebt Frauen, er liebt Männer. Bujar verwandelt sich, er wird verletzt und verstoßen. Nur im Erzählen scheint er einen Ort zu finden, an dem alles gleichzeitig sein darf: in einer Geschichte, die keine Grenzen kennt, überbordet und ausufert. In einer Geschichte von Liebe und Verlangen, von den Möglichkeiten der Scham, des Schmerzes und des Sterbens – mythenreich, brutal und von intensiver Schönheit.

»Eine aufwühlende Geschichte, schonungslos und stark.«

Matthias Busch / Münchner Merkur (28. December 2021)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Finnischen von Stefan Moster
Originaltitel: Tiranan sydän
Originalverlag: Otava
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87641-2
Erschienen am  30. August 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Buchtipps für deine Ferien
pin
Nimm dieses Buch mit in den Urlaub!
Dieses Buch spielt in: Tirana, Albanien

Rezensionen

Identität basteln

Von: Bjoernandbooks

26.10.2021

Der Tod des Vaters, die Flucht der Schwester, die Resignation der Mutter – all dies lässt Bujar schon in früher Jugend sämtlichen Halt verlieren. Seine Heimat Albanien befindet sich in einem politischen Umbruch; Sicherheit und Stabilität, gesellschaftlicher wie familiärer Rückhalt fehlen Bujar und treiben ihn fort: von sich selbst, seiner Identität, seinem Land und Leben. Gemeinsam mit seinem besten Freund Agim beschließt er zu fliehen, zunächst aus Tirana, später aus dem Land, das ihnen keine Hoffnung zu versprechen vermag. Jahre später erfahren wir von Bujars Irrfahrt durch die Metropolen Europas und der USA, eine permanente Sinnsuche, der Versuch, sich selbst und das, was ihn als Mensch ausmacht, zu finden, in Rom, Madrid, in New York und schließlich Helsinki. Und die Suche nach der Liebe, nach dem, was Bujar unter Liebe meint zu verstehen. „Wäre es nicht besser, sich einfach darauf zu konzentrieren, einzigartig zu sein?“ (S. 164) Mit „Grenzgänge“ ist Pajtim Statovci ein fantastischer Roman gelungen, der die Grenzen von Wahrheit und Imagination, Identität und Herkunft, Geschlecht und Sexualität dezidiert auslotet. Bujar ordnet sich in keine Form der Polarität ein, ist mal Mann, mal Frau, liebt über die Grenzen hinweg und schafft sich immer wieder neue Identitäten und Geschichten seiner Herkunft. Er*sie ist das, was er*sie in dem Moment meint zu sein, was ihm*ihr Halt gibt, ihn*sie stärkt und beruhigt. Die Wirren seiner*ihrer Jugend, vor allem ausgelöst durch den Tod des Vaters und den damit verbundenen Zerfall der Familie, haben die Persönlichkeit zersplittert, Identität als Konstruktion offengelegt. Statovcis „Grenzgänge“ verknüpft damit die jüngere Historie Albaniens mit einer Coming-of-Age-Geschichte der besonderen Art. Er exemplifiziert an seiner*m Protagonisten*in Bujar die soziologischen Diskurse der Gegenwart um Geschlecht, Körper und Provenienz und zeigt Wahlmöglichkeiten auf. Gleichzeitig erzählt er in wunderbar intensiver Manier die Geschichte eines jungen Menschen auf der Suche nach sich selbst. Die hervorragende Übersetzung von Stefan Moster schafft es, eine Atmosphäre zu kreieren, die es den Leser*innen möglich macht, einen Hauch Albanien zu spüren, das Albanien der jüngeren Vergangenheit in all seiner Verlorenheit ebenso wie die historisierte Form der Nation, repräsentiert durch clever eingestreute Sagen und Mythen. Diese Legenden erscheinen wie Phantasmagorien, wie Trugbilder, die metaphorisch die erzählte Gegenwart widerspiegeln und damit das Spiel von Wahrhaftigkeit und Maskerade, das Bujar in der Folge für sich inkorporiert, vorwegnehmen. Eine wahrlich unendlich intelligente Konstruktion, die gleichzeitig so geschickt in die narrative Ebene eingeflochten ist, das sie eben nie konstruiert wirkt. „Grenzgänge“ ist gleichzeitig spannende, road-movie-artige Erzählung, Geschichtsunterricht über den unterrepräsentierten Balkan-Staat und literarisches Psychogramm. Die emotionale Beteiligung der Leser*innen wird stetig hoch gehalten; der Plot-Twist fünf Seiten vor Ende des Buchs, der vieles erklärt und freilegt, ist überraschend und gleichzeitig dramatisch und voller Gefühl. Eine unbedingte Leseempfehlung dieses wundervollen Romans, der die Themen, die die gesellschaftliche Debatte derzeit beschäftigen, so unaufdringlich und gleichzeitig drängend zu bearbeiten weiß, dass ein intensiver Lesegenuss höchster Güte entsteht! Danke!

Lesen Sie weiter

Die Möglichkeit der Freiheit

Von: Letteratura

25.10.2021

Hauptfigur in „Grenzgänge“, dem vor kurzem im Luchterhand Verlag erschienenen Roman des finnisch-kosovarischen Autors Pajtim Statovci, ist Bujar, der in Tirana aufwächst, den es aber schon früh hinauszieht in die Welt und vor allem weg aus Albanien, wo er sich eingeengt fühlt. Zusammen mit seinem Freund Atim aus Kindertagen träumt er von einem Leben in Europa, und nachdem sich seine Familie durch Tod und Verschwinden auf ihn und seine Mutter reduziert hat, hält ihn nichts mehr. Es beginnt eine Odyssee, die ihn nach Italien, New York und schließlich nach Helsinki führt, immer auf der Suche nach einem Ort, an dem er sich zu Hause fühlen kann. „Grenzgänge“ bzw. das Überwinden von Grenzen lässt sich also vor allem auf das Wandeln durch die Welt beziehen, wobei hierbei die nachvollziehbaren, klar definierten Grenzen zwischen den Ländern gemeint sind, die für den Albaner Bujar nicht immer leicht zu überwinden sind. „Grenzgänge“ gibt es aber noch viel mehr in diesem äußerst komplexen Roman: Bujar entzieht sich selbst aller Grenzen, oder zumindest versucht er es. Am liebsten möchte er alles Trennende, alles in starren Kategorien Bezeichnende, schlicht ignorieren. Das gilt auch für Geschlechterzuschreibungen. Selten formuliert der Autor diese aus, und das ist eine Stärke des Buches. Seine Figuren müssen nicht in Schemata von schwul, lesbisch und heterosexuell passen, Bujar wird nicht eindeutig mit dem Wort trans beschrieben. So gibt es keine klaren Etiketten und Schubladen, so bleibt stets durchlässig, was Bujar ist, sein kann oder will, was er*sie jemals sein wird. Auf seinen Reisen durch die Länder erfindet Bujar sich immer wieder neu. Für jede Begegnung erzählt er sich und seinem Umfeld eine neue Geschichte über sich selbst, gibt sich einen neuen Namen, ein neues Geschlecht. Und wo man streng genommen vielleicht sagen könnte, dass er sie alle belügt, so ist das dann doch viel zu kurz gegriffen, so sind diese stets neuen Ichs immer auch Schritte auf dem Weg zu sich selbst. Es ist ein harter Weg. Bujar ist ein Verlorener und vor allem einer, der viel verloren hat. Der sich zwar anderen annähert, Beziehungen eingeht und Menschen in sein Leben lässt, dennoch aber stets etwas zurückhält – weil er nicht anders kann. Immer wieder wird er dabei auch Opfer von transfeindlichen und homophoben Angriffen und Beleidigungen. Oft bricht er abrupt seine Zelte ab und zieht weiter, immer auf der Flucht vor den Traumata der Vergangenheit, denen er aber nicht entkommt. Pajtim Statovci erzählt mit einer ungeheuren Intensität, sprachlich ohne große Schnörkel, aber klar und fesselnd. So folgen wir Bujar auf seiner Suche nach dem, was ihm am Ende möglicherweise ein wenig Frieden geben kann. Die Ich-Perspektive und dieses so intensive und sinnliche Erzählen tragen dazu bei, dass Bujar einem bei der Lektüre sehr nah ist, dass man fast das Gefühl hat, mit ihm zu verschmelzen, seine Einsamkeit und seine Isoliertheit so klar spürt, dass man gar nicht dazu kommt, ihn zu bewerten oder vielleicht auch einige seiner Entscheidungen zu verurteilen. Bujar ist vor allem ein Opfer, jedoch und vor allem eines, das keins sein will. Pajtim Statovci vereint somit mehrere wichtige Komponenten in seinem Roman: Da ist die Flucht aus Albanien und die verächtliche Sicht der Westeuropäer auf die Nachbarn aus dem Osten, denen der Weg in den Westen schwer gemacht wird. Da ist die Suche nach der eigenen Identität, die Bedeutung von Geschlechterrollen und das Ringen des Protagonisten darum, sich irgendwo darin wieder zu finden. Aber es geht auch familiäre Bindungen, denen man sich letztlich dann doch nicht oder nur sehr schwer entziehen kann, um Herkunft und Klasse. Eingeflochten werden in die Geschichte auch immer wieder alte Märchen und Mythen, an die Bujar sich in späteren Jahren erinnert. Es ist also eine ganze Menge, das Statovci unterbringt in „Grenzgänge“, doch an keiner Stelle ist der Roman überfrachtet, hat man das Gefühl, dass er zu viel gewollt hat. „Grenzgänge“ bewertet seinen Helden nicht, verzichtet auf klare Zuschreibungen. „Grenzgänge“ lässt einen vielmehr etwas erleben und erfahren. Ein intensives Leseerlebnis, fesselnd, beeindruckend und ein Highlight dieses Leseherbstes.

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen

Vita

Pajtim Statovci, geboren 1990, ist ein finnisch-kosovarischer Schriftsteller. Mit zwei Jahren zog er mit den albanischen Eltern aus dem Kosovo nach Finnland. Er lebt in Helsinki und hat Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Helsinki studiert. Statovci wird als Shootingstar und großer europäischer Autor von der internationalen Kritik euphorisch gefeiert, sein Werk ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem ist er mit dem »Helsinki Writer of the Year«-Preis ausgezeichnet. Derzeit promoviert er an der Universität von Helsinki.

Zur Autor*innenseite

Pressestimmen

»All dies wird in einer starken, überzeugenden Sprache erzählt, die auch in der Übersetzung von Stefan Moster noch mitschwingt.«

Clemens Ruthner / ORF Ö1 (09. January 2022)

»Pajtim Statovci bietet in seinem Roman ›Grenzgänge‹ ein intensives Roadmovie auf der Suche nach sexueller Identität wie zuweilen auch purem Überleben.«

Frank Keil / www.maennerwege.de (04. October 2021)

»Eine intensive Geschichte übers Erwachsenwerden, Überleben, sexuelle Identität, Familie und vieles mehr, die keine Grenzen kennt.«

Maike Karnebogen / Politik & Kultur (28. October 2021)

»Bujars Geschichte, für die Statovci eine schöne und berührende poetische Sprache gefunden hat, ist traurig, geprägt von Gewalt, Verlust und Verdrängung. Aber es ist auch eine hoffnungsvolle über die Lust an der Freiheit, darüber, wie schön es ist, selbst zu bestimmen, wer man sein will.«

Norma Schneider / Tagebuch (30. September 2021)