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Gefangene der Zeit

Geschichte und Zeitlichkeit von Nebukadnezar bis Donald Trump

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Hardcover
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Bestsellerautor Christopher Clark über Zeit und Macht von der Antike bis heute

Was hat der Brexit mit Bismarck zu tun? Was verbindet die antike Alexanderschlacht bei Issus mit der Schlacht gegen Napoleon bei Jena 1806? Was lehren uns Psychogramme aus dem Dritten Reich über Gehorsam und Courage? Und wie lässt sich Weltgeschichte schreiben, ohne dabei dem Eurozentrismus verhaftet zu bleiben? Christopher Clark, der mit seinen Büchern über Preußen und den Beginn des Ersten Weltkriegs Millionen Leser begeistert hat, beweist mit seinem neuen Band, wie vielfältig seine Interessen als Historiker sind. In insgesamt 13 ebenso klugen wie elegant geschriebenen Essays, die hier erstmals auf Deutsch vorliegen, zeigt er, wie sehr historische Ereignisse und Taten, Vorstellungen von Macht und Herrschaft über die Zeiten hinweg fortwirken – bis heute.

»Clarks vermischte Schriften haben das Potenzial, ihre Leser in der Gefangenschaft der Zeit ein wenig Auslauf zu verschaffen.«

Süddeutsche Zeitung (23. November 2020)

Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz
Originaltitel: Gefangene der Zeit
Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 15,0 x 22,7 cm, 12 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-421-04831-8
Erschienen am  16. November 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Geschichte verstehen - unterhaltsam mit AHA-Momenten

Von: artWORDising Diana Wieser

16.02.2021

„Geschichte wiederholt sich immer zweimal: Das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce“, soll Karl Marx einmal gesagt haben. Lernt die Menschheit aus ihrer Vergangenheit? Oder geht es stets nur um Macht, in welcher Form auch immer? Können wir das Große und Ganze jemals überblicken oder bleiben wir im eingeschränkten Blickwinkel unserer eigenen Epoche gefangen? Dem Historiker Christopher Clark ist es gelungen, diese Fragen auf äußerst informative und unterhaltsame Weise aufzuarbeiten. In den gesammelten Essays dieses Buches begleiten wir einen biblischen Herrscher in seinen Traum, die Juden bis „ans Ende aller Tage“ und Heinrich Himmler bei abstrusen Esoterikforschungen. Christopher Clark zeigt, was der Brexit mit Bismarck zu tun hat und warum sich Macht nicht durch Unterdrückung, sondern durch stillschweigende Duldung der Massen entfalten kann. Bereits nach wenigen Sätzen erliegen wir Leser der Faszination der Geschichte. Clark verdeutlicht uns historische Analogien, die uns bislang verborgen geblieben sind. Der wohl größte Verdienst dieses Buches: Geschichte ist lebendig, die Vergangenheit niemals abgeschlossen. Sie bedarf eines ständigen Dialoges, der sicher Geglaubtes hinterfragen sowie andere Ansätze zulassen soll. Kurz: Clarkes Werk ist ein wichtiger Beitrag zu einer intelligenten Diskussionskultur, deren Mangel in jüngster Zeit offensichtlich ist. Wussten Sie, dass im Ersten Weltkrieg mehr Menschen durch Seuchen, als durch Kriegseinsätze gestorben sind? Oder dass wir bis heute die Geschichte in falsche Epochen unterteilen? Diese und weitere, überraschende „Tatsächlich?!“-Momente hält dieses Buch bereit. Es beginnt mit einem äußerst aktuellen Essay zum Thema Covid-19 und den Umgang mit Seuchen in den vergangenen Jahrhunderten. Fest steht: Verschwörungstheoretiker, Sündenböcke und Leute, die auf die AHA-Regeln pfiffen (sprich lieber auf Maskenbällen Orgien feierten, als Abstand hielten) gab es schon zu Zeiten der Pest. Statt Spahns mahnenden Worten, griffen die Gesundheitsbehörden von Florenz damals zu drastischeren Methoden. Sie gruben eine kürzlich verstorbene junge Frau aus, warfen den halb verwesten Leichnam mitten unter die Feiernden und riefen: „Die hier will auch mittanzen.“. Andere Zeiten – andere Sitten! Seuchen waren unverhoffte „Biowaffen“ um eroberte Gebiete zu entvölkern, riefen aber auch eine Welle der Solidarität unter der Bevölkerung hervor, indem zum Beispiel Kinder von verstorbenen Nachbarn in der eigenen Familie aufgezogen wurden. Besonderes Interesse hat Clark für die Formen und Funktionen von Macht. Wie funktioniert sie in unterschiedlichen Gesellschaftssystemen, von der Diktatur bis zur Demokratie? Bei diesem Thema begegnet uns (männlicher) Größenwahn in jeder erdenklichen Form. Beispiele: König Nebukadnezar wollte seine komplette Beraterriege hinrichten lassen, weil sie es nicht schaffte, ihm einen Traum zu deuten, an den er sich selbst gar nicht mehr erinnern konnte! SS-Führer Heinrich Himmler glaubte allen Ernstes, am Ende des Zweiten Weltkrieges den Holocaust leugnen und eine Stelle als Berater bei den Alliierten erhalten zu können! Donald Trump … ach, lesen Sie selbst! Aufgewachsen in Australien, als Student in Berlin und später in Cambridge, wo er noch heute als „Regius Professor for History“ tätig ist, zudem verheiratet mit einer deutschen Kunsthistorikerin – durch seinen Werdegang schafft es Sir Christopher Clark, unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen. Besonders hervorzuheben ist Clarks Stil: sein subtiler Humor, der anregend, aber niemals aufdringlich wirkt. Der Historiker beherrscht sein Metier, womit er sowohl ganz tief in der Materie steckt, als auch konziliant über den Dingen steht. Den Spagat, kontroverse Sichtweisen einzubringen und dabei eine eigene Meinung einzunehmen, ohne diese dem Leser zu indoktrinieren, gelingt ihm mühelos. Generell beweist der Geschichtsprofessor eine besondere Klasse. Zum einen optisch: Clark moderiert für die ZDF-Dokumentationsreihe „Terra X“ die jeweils mehrteilige Deutschland-, Europa- und Weltensaga. Bekleidet mit Fliege und britischem Akzent, bringt er entschieden mehr Stil auf den Bildschirm. Zum anderen menschlich. Dies zeigt sein Umgang mit den teils harschen Kritiken, die er von deutschen Journalisten für seinen 2013 erschienen Bestseller „Die Schlafwandler“ einstecken musste. Diese warfen dem Historiker vor, die Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu relativieren. Gekonnt nimmt Clark in seinem Essay „Von Nationalisten, Revisionisten und Schlafwandlern“ dazu Stellung. Er zitiert zunächst wörtlich die bösartigen Kommentare – man merkt förmlich, wie sich bei den entsprechenden Kritikern der Schaum vor dem Mund bildet – und stellt seine eigene Argumentation samt Quellenangaben gegenüber. Auf nonchalant höfliche Weise. Aufmerksame Leser merken, wie Clark seine Kritiker ein wenig spielerisch vorführt, aber äußerst intelligent. Am Ende dankt er ihnen sogar für ihre Beiträge. Er lobt den Prozess der historischen Selbstprüfung, der in Deutschland nach 1945 stattgefunden hat, als eine wertvolle Errungenschaft. Das nennt sich Klasse! Fazit: Faszinierende Analogien, die Ihnen die Augen öffnen werden, präsentiert mit britischem Charme, Stil und Humor: „Gefangene der Zeit“ ist ein Buch der Extraklasse, das bestens unterhält. Mal ehrlich: Wenn Clark scheibt „für einen Historiker macht eben diese Lust auf historische Kontroversen Deutschland zu einem ganz besonderen Ort“, dann ist für wahre Literaturfreunde der Gang zur nächsten Buchhandlung obligatorisch, oder?

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Lesenswerte Essays eines Historikers

Von: SternenstaubHH

11.12.2020

Der Historiker Christopher Clark, vielen vielleicht auch als Moderator der Wissenssendung Terra X bekannt, hat ein Buch beeindruckender Essays herausgebracht. Dabei vergleicht er das gesellschaftliche und politische Heute mit der Vergangenheit. Gekonnt, klug und unglaublich lesenswert. Den damaligen Umgang mit der Pest vergleicht er schon am Anfang z. B. gekonnt mit den Maßnahmen die mit dem Corona-Ausbruch einhergingen. Um es mit einem Zitat des Bundeskanzlers Helmut Kohl zusammenzufassen: "Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten." Und so scheint es auch in diesem Buch zu sein. Man spürt das sich der Autor Christopher Clark in der Vergangenheit zu Hause fühlt und wie kein anderer die vergangene Zeit mit dem Hier und Heute gegenüberstellen kann. Auch als Nicht-Historiker sehr spannend und lesenswert, wenn auch der Schreibstil nicht ganz ohne ist. Ich musste mich etwas reinlesen, da in dem Buch wirklich viele Fachbegriffe verwendet werden, die das einfache Lesen etwas erschweren. Die Essays wurden gut ausgewählt und bieten einen neuen anregenden Blick auf Gesellschaft und Politik. Vieles regt zum Nachdenken und Weiterrecherchieren an, was mir sehr gut gefallen hat. Ob Donald Trump oder Brexit viele hochaktuelle Themen die uns heute beschäftigen, werden in diesem Buch in einem ganz neuen Kontext dargestellt. Kurzweilig war die Lektüre dieses Buches aufgrund des Schreibstils nicht. Doch lesenswert ist es allemal. Christopher Clark hat ein großartiges Buch geschrieben das einem sowohl die Geschichte als auch die jetzige Politik näher bringt. Für Politik- und Geschichtsinteressierte ist dies ein ganz besonderes Buch.

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Vita

Christopher Clark, geboren 1960, lehrt als Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine's College in Cambridge. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte Preußens. Er ist Autor einer Biographie Wilhelms II., des letzten deutschen Kaisers. Für sein Buch »Preußen« erhielt er 2007 den renommierten Wolfson History Prize sowie 2010 als erster nicht-deutschsprachiger Historiker den Preis des Historischen Kollegs. Sein epochales Buch über den Ersten Weltkrieg, »Die Schlafwandler« (2013), führte wochenlang die deutsche Sachbuch-Bestseller-Liste an und war ein internationaler Bucherfolg. Zuletzt erschien von ihm der vielbeachtete Bestseller »Von Zeit und Macht« (2018).

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Pressestimmen

»Nein, er kann beileibe nicht nur Erster Weltkrieg, dieser Christopher Clark. Er erweist sich in seinem Spezialgebiet als kultivierter Causeur und geschliffener Stilist jenseits aller Fachidiotie.«

Die Welt (21. November 2020)

»Christopher Clarks neuer Essayband „Gefangene der Zeit“ zeigt auf, was an Geschichte Spaß macht. Er ist ein historischer Abenteurer und Geschichtsskeptiker zugleich.«

Falter (A) (20. January 2021)

»Wunderbare Perspektivwechsel und Zeitsprünge: Für die ist Clark bekannt. Dass er die historischen Zeitläufte gerne personalisiert – was Raum für herrlich pointierte Porträts gibt – erhöht den Lesespaß.«

General-Anzeiger (15. December 2020)

»Die hier versammelten Texte vermögen angesichts der tiefen Krise des „Projekts Moderne“ ein befreiend kritisches interdisziplinäres Nachdenken auszulösen über die unausweichliche Gefangenschaft in der eigenen Zeit.«

Badische Zeitung (15. February 2021)

»Clarks Texte sind prall gefüllt mit anregendem Denkfutter.«

Buchkultur (A) (10. February 2021)

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