Fremdes Licht

Roman

(7)
Hardcover
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Sie ist an einem unbekannten Ort und in einer eisigen, unwirtlichen Umgebung. Erst nach und nach kehrt die Erinnerung zurück, und Elaine begreift, was passiert ist: dass ihr Großvater einst bei den Inuit in Grönland lebte und er sie mit dem Überleben in Eis und Schnee vertraut machte. Dass sie zuletzt für einen Konzern im Schweizer Ort Winterthur tätig war und sich dort als Genforscherin mit der Rekonstruktion von Leben beschäftigte. Dass die Erde während eines Kometeneinschlages zugrunde ging und sie die letzte Überlebende zu sein scheint. Was das alles mit ihrer Urgroßmutter aus Grönland zu tun hat, ahnt sie nicht.

»Stavarič, der das halbe Jahr als Botschafter in Sachen Literatur unterwegs ist, hat hier eine inhaltliche und sprachliche Wundertüte erschaffen, die ihresgleichen sucht.«

Linda Stift / Die Presse (07. März 2020)

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87551-4
Erschienen am  09. März 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Grönland

Leserstimmen

Allein, allein

Von: wal.li

13.12.2020

Die Wissenschaftlerin Elaine erwacht in einer Eiswüste. Geschützt wird sie von den Trümmern des Raumschiffs, mit dem sie und viele andere Menschen vor langen Zeiten von der Erde gestartet sind, um den Folgen des Einschlags eines riesigen Meteroiten zu entkommen. Um die lange Reise zu überstehen, wurden sie in Kokons in einen Kälteschlaf gelegt. Und nun scheint Elaine die Einzige zu sein, die den Absturz und die Reise überlebt hat. Zwar hat sie einige technische Hilfsmittel und Nahrung, aber am meisten hilft ihr die Erinnerung an die Zeit mit ihrem Großvater, ein Inuit, mit dem sie auf Grönland gelebt hat. Wie ist es, wenn die Zukunft die Vergangenheit ist und die Vergangenheit die Zukunft? Elaine muss sich in einer unwirtlichen Welt zurechtfinden, die sie Winterthur nennt. Dass sie ihre Jugend auf Grönland mit ihrem Großvater verbracht hat, hilft ihr bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben. Auch die wissenschaftliche Ausbildung ist hilfreich, aber die ihr Durchhaltevermögen und ihren Ideenreichtum zieht sie aus der Zeit mit ihrem Großvater. Doch wie lange kann sie alleine überleben? Und wie soll sie die Technik, die ihr noch zur Verfügung steht, einsetzen? Dieser dystopisch angehauchte Roman spielt in einer Zeit nach der großen Katastrophe. Doch schon vorher hatte sich die Welt verändert. Trotz herausragender technischer Entwicklungen ist das Leben nicht unbedingt besser geworden. Und die herannahende Katastrophe bietet nur wenigen eine Chance zu überleben. Der Autor macht daraus ein interessantes Gedankenspiel um Vergangenheit und Zukunft und die Fähigkeit zu bestehen. Welcher Hintergrund befähigt zu überleben. So stecken schließlich mehrere Geschichten in dem Buch, die jeweils einen neuen Blickwinkel eröffnen. Dadurch entstehen zwar auch Brüche, doch ebenso entstehen Ansätze, über das Gelesene nachzudenken. Darüberhinaus erfährt man einiges über das Leben der Inuit, die einen anderen Blick auf die Natur haben oder sich einfach etwas erhalten haben, was woanders zumindest zum Teil verloren gegangen ist. Dieser Roman ist eine Besonderheit, für die man etwas Zeit einplanen muss. Zeit, die sehr gut angelegt ist.

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Wundersam: Ein Roman, der Grenzen überschreitet

Von: Constanze Matthes

11.06.2020

Weißer Planet heißen sie – die Regionen der Arktis und Antarktis. Als ob sie Teil einer anderen Welt sind, der unsrigen bekannten nicht zugehörig. Auch wenn seit Jahren der Tourismus auch in jene kalten, oft auch dunklen und somit unwirtlichen Gegenden Einzug gehalten hat, gleicht eine Reise noch immer einem faszinierenden Abenteuer. Wenn ich an die Arktis denke, fällt mir neben Svalbard vor allem Grönland ein. Auf diese riesige Insel im Nordatlantik führt der neue Roman des österreichisch-tschechischen Autors Michael Stavarič. Und nicht nur dorthin. Denn „Fremdes Licht“ bringt den Leser an andere Ort, in andere Zeiten. Eine einzigartige Erfahrung, die gar nicht einfach zu beschreiben ist. Das Buch verwirrt auch, was jedoch das Vergnügen keineswegs trübt, und ist an einigen Stellen befremdlich. Doch am besten von vorn. Mit eine der beiden Heldinnen: Elaine Duval lebt in der Schweiz und ist eine renommierte Forscherin auf dem Gebiet der Reproduktion. Es ist eine Zeit unserer bekannten einige Jahrzehnte voraus. Nach zwei verheerenden Lichtkriegen leben die Menschen unter der Erde. Bevor ein Komet auf der Erde einschlägt, kann Elaine in einem Flugschiff in das All entfliehen. Das Kommando übernimmt ihr Jugendfreund Dallas. An Bord haben zudem Menschen Zuflucht gesucht, die nicht für die lange Reise zu einem Exoplaneten vorgesehen waren. Die Plätze für die notwendigen Kälteschlaf-Kokons sind rar. Elaine findet sich schließlich nach dem Absturz des Schiffes in einer Eiswüste wieder, Erinnerungen an ihren geliebten Großvater, seine Erzählungen über das Leben der Inuit und die gemeinsamen Touren auf Grönland werden wach. Denn Elaine, eine Kämpfernatur, die sich zu behaupten und in dieser menschenfeindlichen Umgebung zu überleben weiß, ist mit dieser weißen kalten Welt sehr vertraut. Sie liegt ihr quasi im Blut. Denn ihre Urgroßmutter, so hat es ihr Großvater erzählt, ist eine Inuk. Eine Schamanin, die zwei Namen trug: Ukiutaq, kurz Uki was übersetzt Winterkind bedeutet, sowie Elaine. So nannte der Kapitän des Schiffes, das eines Tages die Küste von Grönland erreicht und in Sichtweite von Ukis Heimatort vor Anker geht, die junge Inuk in Anlehnung an seine geliebte Frau. Uki und der Kapitän, der sich mit dem Namen Fridtjof vorstellt, lernen sich kennen. Er lehrt ihr das Lesen, die Begeisterung für Bücher. Mit dieser Figur verbindet Stavarič wohl geschickt Realität mit Fiktion. Wer in Sachen Arktis-Expeditionen ein klein wenig Bescheid weiß, wird wohl an den bekannten Zoologen und Polarforscher Fridtjof Nansen (1861 – 1930) denken, auch wenn der Autor von einigen Daten und Fakten aus der Biografie des berühmten Norwegers abweicht. So hieß dessen Frau Eva statt Elaine, wird im Buch als Jahr der Begegnung der Inuk mit dem Wissenschaftler 1893 angegeben, dabei war Nansen bereits fünf Jahre zuvor auf Grönland, um als Erster die Insel und ihr Inlandeis zu überqueren. Eine Reise, während der er die Lebensweise der Inuit genau studierte – vor allem ihre Erfahrungen im Eis zu überleben und ihr Umgang mit Hundeschlitten. 1893 brach Nansen, der sich zudem für die Unabhängigkeit seines Heimatlandes einsetzte, zu seiner mehrjährigen Nordpolar-Expedition auf. Er war indes nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Politiker. Nach dem Ersten Weltkrieg war er als Delegierter und Hochkommissar für Flüchtlingsfragen tätig. Nach ihm ist der sogenannte Nansen-Pass für staatenlose Flüchtlinge benannt. 1922 erhielt der Norweger den Friedensnobelpreis. Alle drei Figuren lässt Stavarič zu Wort kommen. Die jüngere Elaine berichtet über ihre Erlebnisse als Forscherin und ihre Erinnerungen an ihren Großvater. Ein eindrücklicher Erzählstrom – schildernd, erklärend, erinnernd. Die ältere schildert ihr Leben auf Grönland, die Begegnung mit Fridtjof, den sie wegen eines besonderen Geschenks Vogelmann nennt, sowie die spätere Reise nach Amerika zur Weltausstellung in Chicago, wo ihr und ihrem Begleiter etwas Schreckliches geschieht. In Tagebuch-Auszügen blickt auch der Kapitän auf das Geschehen. Jeder hat seine eigene Sprache, seinen eigenen Ausdruck. „Fremdes Licht“ überschreitet Grenzen und vermischt auf wundersame Weise Geschichte mit Zukunft und das Genre des historischen Romans mit einer Dystopie, Science Fiction sowie einer spannenden Kriminalgeschichte. Dieses so sprachgewaltige komplexe, aber auch berührende Werk hält neben den interessanten Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt der Inuit viele spannende Fragen und Themen zum Nachdenken bereit. Es geht um den Überlebenskampf in rauen Welten und nach einer Katastrophe, es geht aber auch um den Umgang des Menschen mit dieser Welt und seinem Streben nach Wissen und Fortschritt. Was geschieht, wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen. Dabei geht der Roman aber auch der Frage nach dem Sinn des Lebens nach, wenn nicht nur das eigene Leben, sondern die Erde, ja das ganze Universum endlich ist. Es gibt also viel zum Nachdenken, vor allem auch über die Frage, wo Elaine denn mit dem Flugschiff, auf dem sich laut Passagierliste kurioserweise auch der Autor eingefunden hat, wirklich gelandet ist. Ist vielleicht sogar jede noch so weite Reise eine Rückkehr?

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Vita

Michael Stavarič wurde 1972 in Brno (Tschechoslowakei) geboren. Er lebt als freier Schriftsteller, Übersetzer und Dozent in Wien. Studierte an der Universität Wien Bohemistik und Publizistik/Kommunikationswissenschaften. Über 10 Jahre lang tätig an der Sportuniversität Wien – als Lehrbeauftragter fürs Inline-Skating. Zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, zuletzt: Adelbert-Chamisso-Preis, Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur. Lehraufträge zuletzt: Stefan Zweig Poetikdozentur an der Universität Salzburg, Literaturseminar an der Universität Bamberg.

Zur Autor*innenseite

Pressestimmen

»Kunstvoll verschränkt Stavarič Zeiten und Orte, entführt in die Geheimnisse der künftigen Gentechnik oder flicht geheimnisvolle Zeichen (der Inuit-Sprache) ein.«

Oberösterreichisches Volksblatt (12. März 2020)

»Und warum macht dieser wunderbar abgehobene, präzise beobachtende Schriftsteller das alles? Er will zeigen, wie Räume und Zeiten mit unsichtbaren Fäden verbunden sind.«

Peter Pisa/ Kurier (14. März 2020)

»Michael Stavarič verschränkt drei halsbrecherisch disparate Handlungsstränge zu einem tollkühn konstruierten Roman.«

Günter Kaindlstorfer / Ö1 (12. April 2020)

»›Fremdes Licht‹ ist ein phantasmagorisches Erzähl- und Leseabenteuer.«

Sigrid Brinkmann / Deutschlandfunk Kultur (02. April 2020)

»Sein verblüffender Roman zielt erstaunlich weit hinaus, ins kalt Geschaute, klar Gedachte, hinein ins froststarrende Herz gesellschaftlicher Einsamkeit.«

Ronald Pohl / Der Standard (04. Juni 2020)

»Michael Stavarič ist ein kluger, sprachmächtiger Autor mit ausgeprägtem wissenschaftlichen Interesse.«

Christian Schacherreiter / Oberösterreichische Nachrichten (29. Mai 2020)

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