Die nicht sterben

Roman

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»Ihre Prosa ist wie mit dicken Pinselstrichen gemalt, draufgängerisch, genüsslich, üppig und humorvoll.« Anne-Catherine Simon, Die Presse

Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. „Uns kann niemand brechen“, pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden. Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat – und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen. Am Anfang befürchtet sie, dass sie die Reihenfolge der Geschehnisse verwechseln könnte. Dann wird ihr klar: Jede Reihenfolge ergibt einen Sinn. Weil es in der Geschichte nicht um Ursache oder Wirkung geht, sondern nur um eines: Schicksal. Inzwischen aber ist es für jede Flucht zu spät.

Dana Grigorcea zeichnet ein atemberaubend atmosphärisches Porträt der postkommunistischen Gesellschaft, die bis heute in einem Zwischenreich gefangen scheint. Ohne Vorwarnung führt sie ihre Leserinnen und Leser ins Herz eines Schreckens, wie ihn nur die eigene Vorstellungskraft erzeugen kann - oder der gestrenge Fürst Dracula.


ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-328-60153-1
Erschienen am  01. März 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Wie lange währt die Finsternis?

Von: Letteratura

01.03.2021

Selten hat mich ein Roman einerseits so verwirrt und verstört, andererseits so fasziniert und in seinen Bann gezogen wie Dana Grigorceas „Die nicht sterben“. Lange wusste ich nicht, wohin mich die Geschichte führen würde und konnte trotzdem nicht aufhören, zu lesen. Eine Künstlerin kehrt in das Dorf B. in Rumänien zurück, irgendwo an der Grenze zu Transsilvanien. Viele Kindheitserinnerungen verbinden sie mit dem alten Haus ihrer Großtante, die sie nur „Mamargot“ nennt und zu der sie ein enges Verhältnis hat, während der Roman die Beziehung der Protagonistin zu ihren Eltern bewusst ausspart. Der Kommunismus ist Vergangenheit, seine Auswirkungen aber deutlich spürbar. Die Ich-Erzählerin lässt uns teilhaben an Erlebnissen aus der Vergangenheit und ihre Erinnerungen an sie, wie auch an all das, das sie nun erlebt, als sie heimkehrt, an diesen Ort, der sich natürlich sehr verändert hat im Laufe der Zeit. Viele Kindheitsfreunde sind weggegangen, nur wenige sind geblieben. Und dann wird irgendwann eine übel zugerichtete Leiche gefunden und Dracula kommt ins Spiel, bzw. Vlad der Pfähler, auf den die Legende um Graf Dracula zurückgeht. Er soll ein grausamer und unerbittlicher Herrscher gewesen sein, der kurzen Prozess machte mit allen, die sich ihm widersetzten. Die Schilderungen der von ihm bevorzugten Art der Hinrichtung, des Pfählens, die im Roman zu finden sind, sind nichts für zarte Gemüter. Über die Handlung viel zu sagen, ist schwierig, und ich lese das Buch so, dass das ganze Drumherum, die ausgefeilte Sprache, der sehr geschliffene Ton, die teils unheimliche Atmosphäre, die über allem liegt, mindestens genauso wichtig sind, wie das, was auf der Plotebene passiert. Ansonsten bleibt Vieles vage und verschwommen, irgendwo zwischen Realität und Traum. So erfahren wir auch wenig über die Ich-Erzählerin an sich, außer ein paar biographischer Daten, doch wie sie eigentlich wirklich ist, ihr Charakter, was sie sonst noch umtreibt, bleibt einigermaßen im Dunkeln – und das ist wiederum im Dienst der Geschichte, in der alles so schwebend-verwirrend ist. Und das, obwohl die Erzählerin die Leser*innen direkt anspricht und das Erzählte teilweise kommentiert und auch erklärt, warum sie was auf welche Weise erzählt. „Die nicht sterben“ ist einer dieser Romane, bei denen ich nach Beenden der Lektüre denke, dass ich ihn gleich noch einmal lesen sollte und möchte, um auf die Suche zu gehen nach dem, was mir beim ersten Mal vielleicht entgangen ist. Der Roman hat viele Ebenen. Auf der einen Seite ist es eine Familiengeschichte, auf der anderen schreibt Grigorcea nicht nur über die Untoten an sich, sondern auch über das Untote in der Gesellschaft, über den Umgang mit der Vergangenheit, die immer auch in der Gegenwart spürbar bleibt, die sich nicht „begraben“ lässt. Es geht um das heutige Rumänien, doch was hier gilt, gilt auch für andere Gesellschaften, in denen Klassenunterschiede dafür sorgen, dass viele auf der Strecke bleiben. Und all das findet gleichzeitig auf einer großen, umfassenden Ebene statt wie auch im Kleinen, wenn es um die Erlebnisse der Protagonistin und ihr Umfeld geht. Interessant ist auch, was über den Umgang mit dem Tod und den Verstorbenen in Rumänien zu lesen ist. So ist „Die nicht sterben“ tatsächlich eines der verwirrendsten Bücher, die ich vermutlich je gelesen habe, eines, das mir einige Rätsel aufgibt. Eines, das mir eigentlich in Teilen viel zu brutal ist, das mich in besonderem Maße selbst Antworten finden lässt auf meine Fragen oder mich animiert, diese Fragen einfach offen zu lassen. Eines, das durch seine unheimliche Atmosphäre in den Bann zieht. „Die nicht sterben“ ist ein ganz besonderer Roman, der in Sprache in Ton überzeugt, der viele Themen zusammenbringt, so geheimnisvoll wie faszinierend und sicher eines meiner Highlights dieses Jahr.

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Vita

Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren, sie studierte Germanistik und Nederlandistik und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich. Die Werke der rumänisch-schweizerischen Schriftstellerin, etwa der Roman »Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit« und die Novelle »Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen«, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb.

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11. März 2021

Online-Lesung und Gespräch mit Dana Grigorcea

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24. März 2021

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20. Apr. 2021

Lesung und Gespräch mit Dana Grigorcea

Stans | Lesungen
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21. Apr. 2021

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Basel | Lesungen
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05. Mai 2021

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Berlin | Lesungen
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13. Juni 2021

Lesung und Gespräch mit Dana Grigorcea

11:00 Uhr | Bern | Lesungen
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04. Sept. 2021

Literarisches Menü mit Dana Grigorcea

Uster | Lesungen
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11. Sept. 2021

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Zürich | Lesungen
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23. Sept. 2021

Lesung mit Musik mit Dana Grigorcea

19:00 Uhr | Rorschach | Lesungen
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27. Okt. 2021

Lesung und Gespräch mit Dana Grigorcea

Berlin | Lesungen
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