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Die Verlassenen

Roman

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Kein Mensch ist vor den Momenten sicher, die alles von Grund auf ändern

Was würde man lieber vergessen, wenn man könnte? Johannes blickt zurück auf eine ostdeutsche Kindheit, die von feinen Rissen durchzogen war. Der frühe Tod seiner Mutter, das rätselhafte Verschwinden seines Vaters. All seine Fragen dazu blieben unbeantwortet, weshalb er noch als Erwachsener vorsichtig tastend durchs Leben geht. Ein melancholischer Eigenbrötler, der sich in einer stillen Existenz eingerichtet hat. Als Johannes in einer alten Kiste auf einen Brief stößt – adressiert an seinen Vater und abgeschickt nur wenige Tage, bevor dieser den Sohn wortlos verlassen hatte –, verändert dieser Fund nicht nur seine Zukunft, sondern vor allem seine Vergangenheit als Kind der Vorwende-DDR. Seine Erinnerungen sortieren sich neu und mit ihnen sein Blick auf das eigene Leben.

In eindringlicher Dichte und mit kraftvoller Klarheit erzählt Matthias Jügler von Verlust und Verrat, vom Wert des Erinnerns und den drängenden Fragen einer ganzen Generation. Ein warmherziger, leuchtender Roman von außergewöhnlicher sprachlicher Intensität.

»Subtil lotet Jügler die Vielschichtigkeit der Erinnerung aus, und gerade das macht den Roman so besonders unter den zahlreichen Büchern, die von Kindheiten in der DDR erzählen. ... Dass die Geschichte anrührend erzählt, aber niemals rührselig ist, macht ihre Stärke aus.«


ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 176 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-328-60161-6
Erschienen am  01. März 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Wenn die Vergangenheit alles ändert

Von: Christian von dieseitenschneider

03.03.2021

„Mach’s gut, Junge“, heißt es zu Beginn des Romans. Halle an der Saale, Nachwendezeit, 1994. Der 13-jährige Johannes weiß, dass er nicht wiederkommen wird, der Vater, der ihn zur Großmutter gebracht hat. Und der Leser spürt, dass hier nur eine traurige Geschichte beginnen kann. Das überstürzte Verschwinden des Vaters ist aber nicht Johannes‘ einzige offene Wunde. Seine Mutter stirbt früh, da war er fünf. Jüglers Held entwickelt sich rasch zu einem eigensinnigen und zurückgezogenen Kind, das sich eingerichtet hat in der Stille seiner Umlaufbahn. Erst als er Jahre später in einer Bücherkiste seiner Eltern einen an seinen Vater adressierten Brief findet, der ihn dazu veranlasst das eigene Narrativ von Grund auf neu zusammen zu setzen, geraten alle Gewissheiten ins Wanken. Ein initialer Moment, der gleichermaßen seine Vergangenheit als Kind der ausgehenden DDR, wie auch seine Zukunft neu verhandeln wird. Eine Aufarbeitung, die uns bis in entlegene Orte Norwegens führt, deren Topografie Matthias Jügler lebendig zu schildern vermag. Und vor allem eine eindringliche und an die Substanz gehende Beschreibung der tiefen Risse und Verwerfungen, die das Unrecht der DDR in so vielen Biografien verursacht hat und es bis heute tut. Jügler besitzt die Gabe den Plot verdichten zu können und zügig zum Kern vorzudringen. Auf 176 Seiten erzählt er kraftvoll, klar und mit einer Mut machenden Traurigkeit, der ich nur allzu gern gefolgt bin. Sein verknappter Stil erinnert manchmal an Tomas Espedal, einen meiner liebsten norwegischen Autoren. Es könnte Schlechteres geben!

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Vita

Matthias Jügler, geboren 1984 in Halle/Saale, studierte Skandinavistik und Kunstgeschichte in Greifswald sowie Oslo und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für seinen Debütroman »Raubfischen« (2015) erhielt er eine Reihe von Auszeichnungen. Er lebt mit seiner Familie in Leipzig, wo er auch als freier Lektor arbeitet.

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Events

24. Mai 2021

Buchpräsentation: Lesung und Gespräch

19:00 Uhr | Halle | Lesungen
Matthias Jügler
Die Verlassenen

Pressestimmen

»Ein Roman, der seine inhaltliche Wucht mit einer Unaufgeregtheit entfaltet, die diese Wucht gleichsam steigert, ohne sie auszustellen. [...] In seiner Kühle erinnert Jügler an skandinavische Erzähler. Seine Genauigkeit im Sozialen übersieht nichts. Es ist diese Genauigkeit, die den Roman für jeden Leser anschlussfähig macht. [...] Was Jügler bietet, ist ein Gesellschaftsroman, ein Road-Movie, ein Halle-Buch – und eine unaufdringliche Art von sozialer Parabel. Der Titel ›Die Verlassenen‹, der einen wichtigen Aspekt der DDR-Gesellschaft erfasst, könnte sprichwörtlich werden. [...] Ein erstaunlicher, anrührender, von jedweder Ost-Propaganda gleichweit entfernter Roman.«

Mitteldeutsche Zeitung, Christian Eger (08. März 2021)

»Im Grunde ist der Roman als Rückblende angelegt, auch Rückblende in ein Land, das seinen Bürgern grundsätzlich misstraute, und was das anrichtet. Das ist nicht neu – aber mit welcher sachlichen Distanz erzählt wird, dass die Stasi vor Mord nicht zurückschreckte, oder wie einer aus der ehemaligen DDR nach Norwegen kommt, um unterzutauchen, wie er scheitert und auch ein Verlassener wird, das zusammen ist filmreif, und so erzählt dann doch neu. ... Der Roman erzählt davon, Wahrheiten zu akzeptieren, die die eigene Vergangenheit auf den Kopf stellen, und davon mit neuen Erinnerungen zu leben, er erzählt davon, dass man lernen kann zu verzeihen, und er erzählt das sprachlich so intensiv, in einer Dringlichkeit, dass einem oft schwindelt.«

»Ein packender Roman. Matthias Jügler erzählt dabei so schnörkellos und doch intensiv, dass einem manchmal der Atem wegbleibt. Er gibt einer ganzen Generation eine Stimme und findet Worte für das Ungeheuerliche in der DDR, worüber in vielen ostdeutschen Familien jahrzehntelang geschwiegen wurde.«

»Die Sätze sind präzise, kraftvoll – Matthias Jüglers Roman ›Die Verlassenen‹ ist ein Meisterwerk der Knappheit.«

Berliner Zeitung / Frankfurter Rundschau, Ulrich Seidler (02. März 2021)

»Jügler erzählt in nüchternen, knappen Sätzen [...] das liest sich unglaublich gut. ›Die Verlassenen‹ ist ein Buch, gegen das eingehende Anrufe keine Chance haben. Jügler zeigt auf, worin die langen Schatten der DDR bestehen. [...] Darin besteht eine Stärke dieses Romans, dass er uns Lesern eben Denk-, Spielräume lässt. Ein tolles Buch.«

»›Die Verlassenen‹ ist ein ergreifender Roman, klar und einfühlsam erzählt.«

NDR 1 Radio MV, Melanie Last (02. März 2021)

»›Die Verlassenen‹ ist ein Roman gegen das Verstummen und Verschweigen. Matthias Jügler verleiht seiner Generation eine Stimme – analysierend, bilanzierend, um Gerechtigkeit bemüht, aber nicht mit einem oberlehrerhaft-pädagogischen Impetus des Nachgeborenen.«

»Ein bewegendes, mit unterschwelliger Wut erzähltes Buch, die man gegen Ende versteht. Es geht um Opfer und Täter und ein Kind, das mitten in das irrsinnige politische Konstrukt einer langsam zerfallenden DDR gerät. Sehr zu empfehlen!«