Sie haben sich erfolgreich angemeldet, aber Ihre Anmeldung noch nicht bestätigt. Bitte beachten Sie, dass der E-Mail-Versand bis zu 10 Minuten in Anspruch nehmen kann. Trotzdem keine E-Mail von uns erhalten? Klicken Sie hier, um sich erneut eine E-Mail zusenden zu lassen.

Die Verlassenen

Roman

(3)
HardcoverNEU
18,00 [D] inkl. MwSt.
18,50 [A] | CHF 25,90 * (* empf. VK-Preis)
Benachrichtigungen aktiviert

In der Buchhandlung oder hier bestellen

Kein Mensch ist vor den Momenten sicher, die alles von Grund auf ändern

Was würde man lieber vergessen, wenn man könnte? Johannes blickt zurück auf eine ostdeutsche Kindheit, die von feinen Rissen durchzogen war. Der frühe Tod seiner Mutter, das rätselhafte Verschwinden seines Vaters. All seine Fragen dazu blieben unbeantwortet, weshalb er noch als Erwachsener vorsichtig tastend durchs Leben geht. Ein melancholischer Eigenbrötler, der sich in einer stillen Existenz eingerichtet hat. Als Johannes in einer alten Kiste auf einen Brief stößt – adressiert an seinen Vater und abgeschickt nur wenige Tage, bevor dieser den Sohn wortlos verlassen hatte –, verändert dieser Fund nicht nur seine Zukunft, sondern vor allem seine Vergangenheit als Kind der Vorwende-DDR. Seine Erinnerungen sortieren sich neu und mit ihnen sein Blick auf das eigene Leben.

In eindringlicher Dichte und mit kraftvoller Klarheit erzählt Matthias Jügler von Verlust und Verrat, vom Wert des Erinnerns und den drängenden Fragen einer ganzen Generation. Ein warmherziger, leuchtender Roman von außergewöhnlicher sprachlicher Intensität.

»›Die Verlassenen‹ erscheint als ein berückendes, als ein tiefschwarzes Zeugnis ostdeutscher Erinnerungskultur und darin als eines der besten Bücher dieses Literaturfrühlings.«


ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, 176 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-328-60161-6
Erschienen am  01. März 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Eine Kindheit in der DDR

Von: LiteraturReich

21.04.2021

„Zärtlich, traurig, schmerzhaft, schön.“ So wird auf dem Cover des neuen Romans von Matthias Jügler, Die Verlassenen, geworben. Und so skeptisch man solchen Blurbs in der Regel gegenüber stehen mag, hier treffen alle vier Adjektive zu einhundert Prozent zu. Der 1984 geborene Matthias Jügler erzählt in Die Verlassenen eine Geschichte aus der DDR und der Nachwendezeit, die so spannend wie berührend ist. Es geht darin, wie so oft in Erzählungen aus dem sozialistischen Deutschland, um stille Ungeheuerlichkeiten, um Verrat, um zerstörte Familien und Freundschaften. Es ist ein schmales Buch von gerade einmal 170 Seiten, äußerst dicht, komprimiert, intensiv. Ich-Erzähler ist Johannes Wagner, Volkswirt in der städtischen Verwaltung, Vater eines vierzehnjährigen Sohns. Und ein Mann, der seit langem eine Leerstelle mit sich herumträgt. Eine Leerstelle, die seine Eltern, ihre Geschichte und damit auch die seine umschließt. An einem Morgen im Mai 1986 bringt ihn seine Mutter, er ist damals gerade fünf Jahre alt, ein letztes Mal in den Kindergarten in Halle. Johannes kann nicht wissen, dass es das letzte Mal sein wird, dass er seine Mutter gesehen hat. Am Abend erzählt ihm sein Vater, dass die Mutter tot ist, einen Herzinfarkt erlitten hätte. Die Trauer bei Vater und Sohn ist grenzenlos, die Restfamilie, die sie daraufhin bilden, fragil. Der Vater vergräbt sich darin, was er schon immer getan hat, ins Lesen und Schreiben. Die Großmutter unterstützt, ein großer Freundeskreis ebenso. Im Mai 1994, die Mauer ist inzwischen gefallen, verabschiedet sich der Vater auf eine Dienstreise. Johannes, mittlerweile dreizehn, bleibt mit der Großmutter zurück. Der Vater wird nicht wiederkommen. Fünf Jahre später stirbt auch die Großmutter. Der Tod der Mutter, das Verschwinden des Vaters, seine nie beantworteten Fragen an die Großmutter – Johannes quält auch als Erwachsenen sein Nicht-Wissen, die Ungewissheit seiner Erinnerungen. Eines Tages findet er in den Büchern seines Vaters einen Brief aus Norwegen vom Mai 1994, der sein ganzes bisheriges Leben in einen neuen Blickwinkel rückt, viele seiner Erinnerungen und Gewissheiten infrage stellt. Er beschließt, den Spuren nach Norwegen zu folgen. Die Geschichte von Johannes Wagner ist inspiriert von der Geschichte einer wahren Geschichte. Aber auch ohne diesen realen Bezug ist sie erschütternd genug. Matthias Jügler schreibt in Die Verlassenen in schnörkelloser, sanft melancholischer Sprache über eine Kindheit in der DDR, über Verluste, Verrat, Lügen und eine zerstörte Familie. Er arbeitet dabei mit Zeitsprüngen und Leerstellen, die aber niemals störend wirken, sondern die Intensität der Geschichte noch steigern. „Zärtlich, traurig, schmerzhaft, schön.“

Lesen Sie weiter

Leise und tiefgründig

Von: Sandra von Siebenthal

21.04.2021

«Schliesslich kam Grossmutter aus dem Wohnzimmer. Sie verlor kein Wort über Vaters Abwesenheit, stattdessen hielt sie eine Tüte Bonbons in der Hand…zum Trost, wie sie sagte. Als ich sie nun sah, die Tüte in der Hand, mitleidig ihr Blick, da begriff ich, dass Vater nicht wiederkommen würde. Ich fing an zu weinen. Viel lieber wollte ich wütend sein, auf Vater, so wütend, wie ich es am Vormittag gewesen war. Aber es klappte nicht.» Johannes hat schon früh seine Mutter verloren. Als auch noch sein Vater von einem Tag verschwindet, bleibt er bei der Grossmutter zurück. Mit ihm bleiben viele offene Fragen, über die aber nie gesprochen werden kann. Auf diesem unsicheren Boden wächst er zu einem melancholischen, an vielem zweifelnden Mann heran, sucht seinen Platz im Leben und kann sich doch nicht frei einlassen. „Dann entdeckte ich den Brief, und kaum dass ich ihn gelesen hatte, wusste ich, dass dies der eine Moment war, der alles änderte, nicht nur meine Zukunft, sondern vor allem meine Vergangenheit, beziehungsweise das, was ich dafür gehalten hatte.“ Als er eine Kiste mit Briefen findet, in welcher auch einer an seinen Vater adressiert ist, sieht er plötzlich einen Weg, doch noch zu Antworten zu kommen. Dazu macht er sich auf nach Norwegen, wo er immer tiefere Einsichten in seine Kindheit in der DDR und das, was damals ablief bekommt. Matthias Jügler erzählt die Geschichte eines Jungen, Johannes, aus dessen Sicht und es gelingt ihm dabei, das Erzählte in Sprache und Denken authentisch und dem Alter entsprechend zu halten. Trotz der tragischen und Johannes erschütternden Umstände verfällt die Erzählung nie in eine zu melancholische Stimmung, das Beibehalten einer Sachlichkeit und Distanz sind die dem Verhalten von Johannes entsprechend Form. Sie bringen es aber auch mit sich, dass es nicht möglich ist, dem Protagonisten und seinem Fühlen wirklich nahe zu kommen. Man bleibt als Leser der Betrachter von aussen, so wie es wohl im wirklichen Leben bei einem Treffen mit Johannes auch gewesen wäre. So begleitet man Johannes durch seine Kindheit, Jugend hinein ins Erwachsenenalter, sieht ihn eine Familie gründen, doch etwas bleibt immer präsent: Die Erinnerung an die Vergangenheit, die Ungewissheit, was wirklich war damals und die Unsicherheit im Leben und in seinem Sein, die daraus entstanden ist. Das Finden des Briefes erscheint da wie ein Weckruf aus einem Schlafzustand. Endlich schreitet er zur Tat, endlich zeigt er den Willen, den Dingen auf den Grund zu gehen. „Die Verlassenen“ ist ein Buch ohne grosse Ereignisse, ohne laute Töne, ohne eindringliche Bilder. Leise und sanft fliesst die Erzählung dahin und nimmt den Leser mit auf eine Reise ins Ungewisse. Was dann ans Licht kommt, hätte man zwar bei dem Setting erahnen können, und doch liegt es nicht so offen da, dass das Weiterlesen sich erübrigen würde. Eine durch und durch gelungene Erzählung, in welcher der Autor es versteht, Inhalt und Form in ein stimmiges Ganzes zu verweben und den Leser durch eine unterschwellige Melancholie zu berühren, die nie zu abgrundtief wird, dass sie bedrückt. Fazit: Ein Buch der leisen Töne, die Lebensgeschichte eines Jungen, der zu früh von den nächsten Menschen verlassen wird, dabei das Vertrauen verliert, und erst zu sich selber findet, als er sein Leben selber in die Hand nimmt und Antworten auf seine offenen Fragen sucht. Grosse Empfehlung!

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen

Vita

Matthias Jügler, geboren 1984 in Halle/Saale, studierte Skandinavistik und Kunstgeschichte in Greifswald sowie Oslo und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für seinen Debütroman »Raubfischen« (2015) erhielt er eine Reihe von Auszeichnungen. Er lebt mit seiner Familie in Leipzig, wo er auch als freier Lektor arbeitet.

Zur Autor*innenseite

Events

24. Mai 2021

Buchpräsentation: Lesung und Gespräch

19:00 Uhr | Halle | Lesungen
Matthias Jügler
Die Verlassenen

Pressestimmen

»Subtil lotet Jügler die Vielschichtigkeit der Erinnerung aus, und gerade das macht den Roman so besonders unter den zahlreichen Büchern, die von Kindheiten in der DDR erzählen. ... Dass die Geschichte anrührend erzählt, aber niemals rührselig ist, macht ihre Stärke aus.«

»Ein Roman, der seine inhaltliche Wucht mit einer Unaufgeregtheit entfaltet, die diese Wucht gleichsam steigert, ohne sie auszustellen. [...] In seiner Kühle erinnert Jügler an skandinavische Erzähler. Seine Genauigkeit im Sozialen übersieht nichts. Es ist diese Genauigkeit, die den Roman für jeden Leser anschlussfähig macht. [...] Was Jügler bietet, ist ein Gesellschaftsroman, ein Road-Movie, ein Halle-Buch – und eine unaufdringliche Art von sozialer Parabel. Der Titel ›Die Verlassenen‹, der einen wichtigen Aspekt der DDR-Gesellschaft erfasst, könnte sprichwörtlich werden. [...] Ein erstaunlicher, anrührender, von jedweder Ost-Propaganda gleichweit entfernter Roman.«

Mitteldeutsche Zeitung, Christian Eger (08. März 2021)

»Im Grunde ist der Roman als Rückblende angelegt, auch Rückblende in ein Land, das seinen Bürgern grundsätzlich misstraute, und was das anrichtet. Das ist nicht neu – aber mit welcher sachlichen Distanz erzählt wird, dass die Stasi vor Mord nicht zurückschreckte, oder wie einer aus der ehemaligen DDR nach Norwegen kommt, um unterzutauchen, wie er scheitert und auch ein Verlassener wird, das zusammen ist filmreif, und so erzählt dann doch neu. ... Der Roman erzählt davon, Wahrheiten zu akzeptieren, die die eigene Vergangenheit auf den Kopf stellen, und davon mit neuen Erinnerungen zu leben, er erzählt davon, dass man lernen kann zu verzeihen, und er erzählt das sprachlich so intensiv, in einer Dringlichkeit, dass einem oft schwindelt.«

»Ein packender Roman. Matthias Jügler erzählt dabei so schnörkellos und doch intensiv, dass einem manchmal der Atem wegbleibt. Er gibt einer ganzen Generation eine Stimme und findet Worte für das Ungeheuerliche in der DDR, worüber in vielen ostdeutschen Familien jahrzehntelang geschwiegen wurde.«

»Die Sätze sind präzise, kraftvoll – Matthias Jüglers Roman ›Die Verlassenen‹ ist ein Meisterwerk der Knappheit.«

Berliner Zeitung / Frankfurter Rundschau, Ulrich Seidler (02. März 2021)

»Jügler erzählt in nüchternen, knappen Sätzen [...] das liest sich unglaublich gut. ›Die Verlassenen‹ ist ein Buch, gegen das eingehende Anrufe keine Chance haben. Jügler zeigt auf, worin die langen Schatten der DDR bestehen. [...] Darin besteht eine Stärke dieses Romans, dass er uns Lesern eben Denk-, Spielräume lässt. Ein tolles Buch.«

»›Die Verlassenen‹ ist ein ergreifender Roman, klar und einfühlsam erzählt.«

NDR 1 Radio MV, Melanie Last (02. März 2021)

»Matthias Jüglers kurze, schnörkellose Sätze entfesseln dabei eine solche Wucht, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.«

Berliner Morgenpost, Ulrike Borowczyk (15. April 2021)

»›Die Verlassenen‹ ist ein Roman gegen das Verstummen und Verschweigen. Matthias Jügler verleiht seiner Generation eine Stimme – analysierend, bilanzierend, um Gerechtigkeit bemüht, aber nicht mit einem oberlehrerhaft-pädagogischen Impetus des Nachgeborenen.«

»Ein bewegendes, mit unterschwelliger Wut erzähltes Buch, die man gegen Ende versteht. Es geht um Opfer und Täter und ein Kind, das mitten in das irrsinnige politische Konstrukt einer langsam zerfallenden DDR gerät. Sehr zu empfehlen!«