Sie haben sich erfolgreich zum "Mein Buchentdecker"-Bereich angemeldet, aber Ihre Anmeldung noch nicht bestätigt. Bitte beachten Sie, dass der E-Mail-Versand bis zu 10 Minuten in Anspruch nehmen kann. Trotzdem keine E-Mail von uns erhalten? Klicken Sie hier, um sich erneut eine E-Mail zusenden zu lassen.

Marica Bodrožić

Die Arbeit der Vögel

Seelenstenogramme

(2)
HardcoverNEU
22,00 [D] inkl. MwSt.
22,70 [A] | CHF 30,90 * (* empf. VK-Preis)
Benachrichtigungen aktiviert

In der Buchhandlung oder hier bestellen

Auf der Flucht vor den Deutschen gelangt Walter Benjamin im September 1940 auf einem alten Schmugglerpfad vom französischen Grenzort Banyuls-sur-Mer ins nordspanische Portbou. Tags darauf setzt er seinem Leben ein Ende. Acht Jahrzehnte später nimmt Marica Bodrožić den letzten Weg des großen deutschen Schriftstellers und Philosophen zum Anlass, um über unsere Zeit, die Komplexität von Lebensläufen und Identität, Freundschaft und Flucht nachzudenken. Für sie wird der Gang über die Pyrenäen zu einem luziden Denkweg, auf dem die Natur als synästhetisches Gefüge mitspricht. Die äußere Bergwelt verschmilzt mit der inneren Lebenslandschaft. Kunstvoll webt Marica Bodrožić in ihren Gedankenstrom die Schicksale auch anderer Intellektueller ein, die der Gewalt des 20. Jahrhunderts ausgesetzt waren – etwa der Widerstandskämpferin Lisa Fittko oder des Dichters Ossip Mandelstam. Entstanden ist dabei eine überzeitliche Wanderung durch die inneren Landschaften der Seele, die das schmerzverzahnte Gedächtnis mit dem leuchtenden Kern von Poesie verbindet. »Ein großes Projekt des Denkens ganz im Geiste Benjamins.« (Paul Reitter).

»Ein Buch wie die Wanderung durch die bergige Landschaft, die es beschreibt. Man ist sprachlos ob seiner Schönheit, wird immer wieder an die eigenen Grenzen gebracht und hat am Ende so viel über sich und die Welt gelernt, dass man jemand anderes geworden ist. Ein funkelndes, ein brillantes Kleinod.«

Daniel Schreiber (21. December 2021)

Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87594-1
Erschienen am  14. March 2022
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Auf den Spuren Walter Benjamins

Von: Constanze Matthes

12.05.2022

Ein Geisteswissenschaftler wie Freund der Literatur und Philosophie kommt an seinem Namen und seinem Werk nicht vorbei. Er war ein Schreibender, ein Denker, ein Linker und ein ruheloser Reisender. Walter Benjamin zählt (1892 – 1940) wohl zu den tragischen Lichtgestalten des 20. Jahrhunderts. In seiner Besprechung über eine neu erschienene Biografie nennt Jörg Später ihn eine Jahrhunderterscheinung. Marica Bodrožić ist mehr als sieben Jahrzehnte später seinen letzten Weg gegangen – von Frankreich aus über die Pyrenäen ins spanische Port Bou, wo Benjamin am 27. September 1940 an einer Überdosis Morphium starb. In ihrem eindrücklichen Band „Die Arbeit der Vögel“ schreibt sie über ihre Tour – und über noch viel mehr. Mit ihrem Mann und ihrem gemeinsamen Kind unter dem Herzen im vierten Monat schwanger macht sich die Autorin auf den Weg, der viele Ebenen zusammenbringt. Ein dichter, komplexer und eng verwobener Gedankenstrom setzt sich in Gang – angeregt durch die Orte und die Natur, durch Erinnerungen und frühere Lektüreerfahrungen. „Seelenstenogramme“ heißt deshalb auch der Untertitel dieses Buches. Es sind insgesamt 46 dieser eigenwilligen wie anspruchsvollen Texte, die wie ein Fluss den Leser mit sich tragen. Es ist nicht leicht, den Inhalt des Buches zu beschreiben, denn so viel kann er erzählen, dem Leser vermitteln. Erstaunlich, was eine Wanderung, Ein-Auf-Dem-Weg-Sein auslösen kann. Der Band vereint auf meisterhafte Weise die Form des Essays mit der des autobiografischen Romans. Auch Anklänge an das Genre des Nature Writing, das seit einigen Jahren zunehmend wieder mehr Aufmerksamkeit erhält und eine Renaissance erlebt, lassen sich finden. Es sind innere und äußere Landschaften, die Bodrožić beschreibt. Neben den besonderen Ereignissen in Benjamins Leben, sein Aufenthalt in Russland, seine stetige Flucht nach der Machtergreifung der Nazis und letztlich sein mysteriöser Tod, der noch immer für Spekulationen sorgt, stellt die Autorin weitere Schicksale beziehungsweise Helden dieser Zeit vor. Ihr Buch ist so ein Buch der Namen, ein Buch der Verbindungen. Da ist die Widerstandskämpferin und Fluchthelferin Lisa Fittko sowie der Konsul und Lebensretter Aristides de Sousa Mendes, der Theologe und Mathematiker Pawel Florinski sowie der Kommunist Karlo Štajner, beide Opfer des Stalinismus, beide Gefangene im Gulag, doch nur einer sollte das Grauen überleben und darüber erzählen können. Und Bodrožić, 1973 nahe Split geboren, berichtet über ihr Leben, vor allem ihre Kindheit in Dalmatien, wo sie zuerst in einfachen Verhältnissen an der Seite ihres Großvaters aufwächst; ihre Eltern kommen als Wanderarbeiter nach Deutschland, wohin es schließlich auch die Autorin 1983 verschlägt. Krieg, Flucht und Verfolgung, die Auslöschung von millionenfachen Lebens in einer noch immer unfassbaren Unerbittlichkeit prägten nicht nur die Zeitzeugen, sondern auch nachfolgende Generationen. Alles ist miteinander verbunden. Ob in der Natur oder im Lauf der Zeit. Ein Mensch ist mehr ist als sein eigenes Leben… Der Dunkelheit der Vergangenheit und der Gegenwart – denn die Gewalt setzt sich trotz großer Schwüre und Versprechungen nahezu ungehindert fort, was die aktuelle Geschehnisse beweisen – setzt die Autorin das Licht des Lebens und den Zauber der kleinen Dinge entgegen wie sie auch den Gegensatz zwischen der Schönheit der Berglandschaft und dem Leid der Flüchtlinge, die damals auf dem einstigen Schmuggler- und Maultierpfad um ihr Leben liefen, erkennt. Sie sinniert über die Macht der Träume und die Rolle des Gehens, fordert Demut und Dankbarkeit, kritisiert die Unersättlichkeit der modernen Welt in Form von Konsum und Kapitalismus sowie Umweltzerstörung und warnt vor Rechtsextremismus und Rassismus. Zahlreiche Zitate begleiten ihren Gedankenstrom. Bodrožić verweist nicht nur auf Benjamin, sondern auch auf weitere Größen aus Literatur und Philosophie wie Toni Morrison und Jean Paul, Theodor W. Adorno, Claude Lévi-Strauss und Ossip Mandelstam; auch er wird die „Säuberungen“ unter Stalin nicht überleben. Mehrfach erwähnt sie die biblische Jakobsleiter als Verbindung zwischen Himmel und Erde. Und stets mittendrin: die Vögel, stetige Begleiter und Symbol für die Natur. Dieses Buch, an dem die mehrfach preisgekrönte Autorin mehr als drei Jahre gearbeitet hat, macht etwas mit dem Leser – trotz seiner Komplexität, Gedankenfülle und eines mystischen Untertons packt es dank sowohl seiner unbeschreiblichen Spannung als auch seiner poetischen Sprache. Man liest gebannt, ist Begleiter wie Benjamin, wie die Vögel. Zugleich erdet dieser Band, bringt er einem doch das Thema Achtsamkeit in ganz anderer Weise näher; nicht nur auf die Konzentration auf das Hier und Jetzt fokussiert, sondern auch bezogen auf den Lauf der Zeit, der Geschichte. Während des Lesens kann ein ganzer Packen an bunten Klebezetteln aufgebraucht und/oder Seiten von Notizbüchern gefüllt werden. Sicher ist: „Die Arbeit der Vögel“ ist eine bewegende wie ungemein bereichernde Leseerfahrung in seiner mächtigsten Form und lohnt auch eine Wiederlektüre.

Lesen Sie weiter

Tegeler Bücherstube GmbH

Von: Katja Dotzauer aus Berlin

19.04.2022

Mir hat „Die Arbeit der Vögel“ sehr, sehr gut gefallen. Gerade jetzt, wo es oft schwer fällt sich zu konzentrieren, zu entspannen, sich auf Themen einzulassen, bietet Bodrožić buchstäblich einen Pfad, sich beisammen zu halten und in eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit Heimat, Frieden, Krieg und Exil zu gehen. Daher ist des Buch gerade jetzt sehr wichtig. Ich wünsche Bodrožić und dem Luchterhand Literaturverlag viel Erfolg. Meine Empfehlung bekommt es auf jeden Fall.

Lesen Sie weiter
Alle anzeigen

Vita

Marica Bodrožić wurde 1973 in Dalmatien geboren. 1983 siedelte sie nach Hessen über. Sie schreibt Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays, die in über sechzehn Sprachen übersetzt wurden. Für ihr bisheriges Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis und dem Manès-Sperber-Literaturpreis für ihr Gesamtwerk. Marica Bodrožić lebt mit ihrer Familie als freie Schriftstellerin in Berlin und in einem kleinen Dorf in Mecklenburg. Sie ist Mitglied im Deutschen PEN-Zentrum.

Zur Autor*innenseite

Events

05. Juni 2022

DIE SCHÖPFUNG AUS DEM NICHTS. WIE KOMMT DAS NEUE IN DIE WELT?

17:00 Uhr | Dornach | Lesungen
Marica Bodrožić
Die Arbeit der Vögel

05. Juni 2022

Lesung und Gespräch mit Marica Bodrožić

20:00 Uhr | Dornach | Lesungen
Marica Bodrožić
Die Arbeit der Vögel

11. Juni 2022

Lesung

17:00 Uhr | Ranis | Lesungen
Marica Bodrožić
Die Arbeit der Vögel

27. Juni 2022

Lesung

19:00 Uhr | Osnabrück | Lesungen
Marica Bodrožić
Die Arbeit der Vögel

01. Juli 2022

Lesung und Gespräch im Rahmen der Ladenburger Literaturtage

17:00 Uhr | Ladenburg | Lesungen
Marica Bodrožić, Norbert Hummelt
Die Arbeit der Vögel | 1922

02. Juli 2022

Lesung und Gespräch, Moderation: Dr. Frauke Bayer

20:00 Uhr | Fürth | Lesungen
Marica Bodrožić
Die Arbeit der Vögel

Links

Pressestimmen

»Der Krieg vertreibt aus den Menschen das Menschliche, macht sie zu reinen Funktionsträgern, zu Nationalisten und Grenzkämpfern. Marica Bodrožić hält dagegen und schreibt an ihrem Plädoyer für das Menschliche fort, das ihr ganzes Werk umspannt.«

Joachim Dicks / NDR Kultur (17. March 2022)

»Es ist faszinierend: Diese Lektüre fühlt sich wirklich an wie eine Wanderung. Als ob Marica Bodrožić ihre Schritte in Worte übersetzt habe.«

Barbara Weitzel / Welt am Sonntag (20. March 2022)

»Ausgesprochen reich an Themen, Assoziationen, Wendungen, Erkenntnissen, neuen Fragen fordert dieses Buch seine Leserinnen und Leser mit ihrer Neugier und Erkenntnislust heraus.«

Ulrich Noller / WDR 5 (18. March 2022)

»Hier verursacht das Geschriebene noch lange nach dem Lesen tektonische Verschiebungen in den Leser:innen.«

Vivian Perkovic / ZDF Das Blaue Sofa (17. March 2022)

»Dieses Buch ist durchzogen von kluger Güte. Ganz bodenständig, ganz erdnah und menschennah wandert die Autorin, schwanger mit ihrem Kind, im regen Austausch mit vielen Toten, ihren geistigen Wegbegleitern, auch mit denjenigen, die auf anderen Fluchten waren. Diese Verwebungen sind auch Augenöffner für das, was gerade in der Welt passiert.«

Gabriele von Arnim / Deutschlandfunk (30. April 2022)

»Es begegnen einem ständig Sätze und Gedanken, die in ihrer Klarheit, Direktheit und Komplexität so bestechend sind, dass man sie sich bewahren will.«

Johanna Lenhart / Die Presse (16. April 2022)

»›Die Arbeit der Vögel‹ feiert das Leben, ohne je den Schmerz und den Schrecken zu verraten.«

Katja Gasser, ORF (21. December 2021)

»Die Gedanken reisen frei und erdverbunden in Marica Bodrožić’ Sprache und machen dieses Buch zu einem beziehungsreichen Seelenort.«

Nil Varol / ZDF (21. December 2021)

»Dieses Buch ist ein geistiges Geschenk der Stunde.«

Jan Röhnert (08. March 2022)

»Diese Autorin kann Gedanken erzählen.«

Rüdiger Görner (21. December 2021)

»Marica Bodrožić bringt das Vermächtnis Walter Benjamins zu einem neuen literarischen Höhepunkt.«

Noah Isenberg (21. December 2021)

»In Marica Bodrožić' leuchtender Sprache verwandelt sich Walter Benjamins mühsamer Fluchtweg über die Pyrenäen in ein dichtes Geflecht von Denkwegen, die Momente intensiver Verbundenheit zwischen Literatur, Philosophie und Psychoanalyse schaffen.«

Veronika Fuechtner (21. December 2021)

»›Die Arbeit der Vögel‹ spricht zu uns aus der Tiefe des Gedächtnisses, dem sie einem Namen gibt.«

Senthuran Varatharajah (21. December 2021)

»Dieses Buch ist eine tief empfundene, kunstvoll gezeichnete Sternenkarte. Auf dieser Karte leuchten Gestirne, die von den Diktaturen des 20. Jahrhunderts trotz aller Bemühungen nicht gelöscht werden konnten.«

Olga Martynova (21. December 2021)

»Das ganze Buch ist eine Fülle an Sprachkunst, Gedankenschärfe und Menschenliebe und ermutigt uns, weiter zu denken, unter der Oberfläche zu suchen, Verbindungen zu knüpfen, uns nicht mit leichten Antworten zufrieden zu geben und vor allem weiter zu lesen und zu lernen.«

Maria-Christina Piwowarski (30. March 2022)

»Dieser sprachmächtige Essay ist Erinnerungsarbeit und Ausblick, Selbstethnographie und philosophische Anthropologie in einem.«

Regina Dyck (21. December 2021)

»Eine andere, gerechtere Welt ist möglich – in Marica Bodrožić‘ Denken schimmert sie an jeder Biegung des Wegs auf.«

Matthias Nawrat (21. December 2021)

»Das Umkreisen von Benjamins Schicksal als exemplarisches, das Aktualisieren, das behutsame Tasten in die Vergangenheit hinein - die der Autorin und ihrer Gewährsmenschen. Es ist erstaunlich, wie dieses sehr bekannte Schicksal hier neu gesehen wird, ohne Klischees. Dieses Schreiben entfaltet einen Sog: diese Eindringlichkeit, dieses Umkreisen von Gedanken, Bildern, Erinnerungen, dieses Insistieren - und dann plötzlich das ganz einfache direkte Erzählen wie von der ›Geburt der Lüge‹.«

Erdmut Wizisla / Walter Benjamin Archiv - Akademie der Künste Berlin (04. May 2022)

Weitere Bücher der Autorin