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Der gefrorene Himmel

Roman

HardcoverNEU
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»Richard Wagamese ist der geborene Geschichtenerzähler.« Louise Erdrich

Erstmals in deutscher Übersetzung - Richard Wagameses wegweisender Roman über das Schicksal eines kleinen Jungen, in dem die Geschichte eines ganzen Landes widerhallt.

Saul wächst in einem staatlichen Heim auf – wie so viele Kinder indigener Herkunft. Dem Zwang und der Kälte der Einrichtung kann Saul in den kostbaren Momenten entfliehen, wenn er auf Schlittschuhen über das Eishockeyfeld fliegt. Sein magisches Talent für das Spiel öffnet ihm einen Weg in die Freiheit. Und begleitet Saul auf der Suche nach der Geborgenheit einer Familie, dem kulturellen Erbe der Ojibwe-Indianer und der Versöhnung mit einer Welt, die keinen Platz für ihn vorgesehen hatte.

»Ein Roman der seltensten Art - sowohl bedeutend als auch ein Lesevergnügen, das einem das Herz bis zum Hals schlagen lässt.« Edmonton Journal

»[Ein] erzählerisch tiefgründige[r], farbenreiche[r] Roman. [...] Das Buch fesselt unwiderstehlich durch Beobachtungsvertrauen und Beschreibungsgenauigkeit.«

Süddeutsche Zeitung, Harald Eggebrecht (10. April 2021)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke
Originaltitel: Indian Horse
Originalverlag: Douglas & McIntyre
Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-89667-667-2
Erschienen am  01. März 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: British Columbia, Kanada

Rezensionen

Ein Meisterwerk

Von: RuLeka

14.04.2021

Richard Wagamese zählt zu den bedeutendsten indigenen Stimmen Kanadas. Er hat bis zu seinem Tod im Jahr 2017 insgesamt sieben Bücher veröffentlicht. „ Der gefrorene Himmel“ ist 2012 im Original erschienen und nach „ Das weite Herz des Landes“ der zweite auf Deutsch erschienene Roman. Hierin hat der Autor sehr viel aus seiner eigenen Biographie einfließen lassen. Hauptfigur und Ich- Erzähler Saul Indian Horse lebt zu Beginn des Romans in einem Zentrum für Suchtkranke und soll als Therapie Richard Wagamese zählt zu den bedeutendsten indigenen Stimmen Kanadas. Er hat bis zu seinem Tod im Jahr 2017 insgesamt sieben Bücher veröffentlicht. „ Der gefrorene Himmel“ ist 2012 im Original erschienen und nach „ Das weite Herz des Landes“ der zweite auf Deutsch erschienene Roman. Hierin hat der Autor sehr viel aus seiner eigenen Biographie einfließen lassen. Hauptfigur und Ich- Erzähler Saul Indian Horse lebt zu Beginn des Romans in einem Zentrum für Suchtkranke und soll als Therapie sein Leben aufschreiben. „ Sie sagten, ich könne nicht verstehen, wo ich hingehe, wenn ich nicht verstehe, wo ich gewesen bin. Ihrer Meinung nach liegen die Antworten in mir selbst.“ Saul entstammt dem Volk der Ojibwe. Seine Familie hat sich in die Wälder zurückgezogen, dahin, wo schon ihre Vorfahren lebten. Die Großmutter unterweist den Jungen in den alten Ritualen und Lehren seiner Kultur. Doch als diese stirbt - die Eltern hat er schon früh an den Alkohol verloren- wird Saul aufgegriffen und wie viele indigene Kinder in eine sog. „ Residential School“ gebracht. Diese, meist von Nonnen und Patres geführten Schulen, dienten dazu, den Mädchen und Jungen ihre Sprache, ihre Religion und ihre Kultur auszutreiben und sie zum Christentum zu bekehren. Mit den christlichen Werten von Nächstenliebe und Barmherzigkeit hatten diese Heime allerdings wenig zu tun. Die Kinder litten Hunger, wurden regelmäßig gezüchtigt, gedemütigt, bedroht und oftmals noch sexuell missbraucht. Viele überlebten diese Torturen nicht; manche entzogen sich dem Ganzen durch Suizid. Richtiger Schulunterricht fand kaum statt, stattdessen mussten die Kinder hart arbeiten. „ Es gab keine Noten oder Prüfungen. Das Einzige, was geprüft wurde, war unsere Leidensfähigkeit.“ Das bisschen Schulbildung qualifizierte die Kinder später nur zu Hilfsarbeiterjobs. Wenn die Jugendlichen die Heime verließen, waren sie meist traumatisierte und gebrochene Menschen. Auch Saul kommt in eine solche Schule. „ St. Jerome‘s nahm alles Licht aus meinem Leben.“ Der sensible Junge zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Bis eines Tages ein junger Pater in dem Heim eine Eishockeymannschaft aufbaut. Das Spiel beginnt Saul zu faszinieren und bald wird sein außergewöhnliches Talent entdeckt. Er findet Anschluss in der Mannschaft und Anerkennung von anderen. Saul ist so begabt, dass er schnell aufsteigt in ranghöhere Teams. Und er schafft den Absprung aus dem Heim und kommt in eine verständnisvolle Pflegefamilie. Doch Hockey, der Nationalsport der Kanadier, gilt als ein Sport der Weißen. Solange die „Indianer“ gegeneinander spielen, gibt es keine Probleme. Doch sobald sie gegen weiße Teams antreten, werden sie auf dem Spielfeld nicht nur verbal angegriffen. Wut und Aggression schlagen ihnen entgegen. Saul verliert die Freude am Spiel. „ Aber sie ließen mich nicht bloß Hockeyspieler sein. Ich musste immer Indianer bleiben.“ Er beginnt sich zu verändern, wird brutaler und härter ( „Wenn sie wollten, dass ich ein Wilder war, dann würde ich ihnen den Wilden geben.“ ) und schließlich wird der Alkohol sein Begleiter. Saul muss sich, um am Ende geheilt zu werden, seinen verdr

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Auf dem Spielfeld des Lebens

Von: Dagmar

13.04.2021

… bewegen wir uns auf den unterschiedlichsten Positionen; manchmal stehen wir auch nur als Zuschauer am Spielfeldrand. Doch gibt es einen höheren Plan? Saul Indian Horse, der Ich-Erzähler und Protagonist der Geschichte, sucht als Eishockeyspieler nach diesem Plan, nach der Schönheit des perfekten Spiels. Und als Angehöriger der First Nations in Kanada kämpft er um seinen Platz in einem Land, das die Weißen als ihr Spielfeld reklamieren. Der Anfang ist eine Selbstvergewisserung: „Ich heiße … Ich bin… Mein Großvater hieß … Wir haben uns angesiedelt, wo …“ Eine erzwungene Selbstvergewisserung: „Diese Leute hier wollen, dass ich meine Geschichte erzähle. Sie sagen, ich könne nicht verstehen, wo ich hingehe, wenn ich nicht verstehe, wo ich gewesen bin.“ Der Protagonist redet nicht, aber er schreibt seine Geschichte auf. So können auch wir, die Zuschauer, sie miterleben. „Erzähl-Fluss“ - ein besseres Wort finde ich nicht, um die Handlung nachzuzeichnen. Die Erzählung wirbelt und steigt und fällt wie die Wellen des Winnipeg River in Kanada, an dem sie ihren Anfang nimmt. Ein Auf und Ab von Schönheit und Schrecken. Es gibt Untiefen und ruhige Stellen, Stromschnellen, Inseln, um anzulegen und Luft zu schöpfen. Immer wieder musste ich ans Ufer paddeln und längere Pausen einlegen, um die Wucht der Erzählung auszuhalten. Und immer wieder die bange Frage: Was wartet hinter der nächsten Flussbiegung, im nächsten Kapitel auf mich? (Vorsicht: Spoiler) Wir begleiten Saul Indian Horse von seiner Kindheit in einem Indianerreservat über seine schreckliche Jugendzeit in einem staatlichen Heim und Jahre des scheinbaren Erfolges als Eishockeyspieler bis in die Entzugsanstalt für hartnäckige Säufer, in der er schließlich landet. Und werden von bloßen Zuschauern zu Teamplayern. Es ist eine Geschichte, die heute aktueller ist denn je. Und nicht nur, weil sie das Unrecht an der indigenen Bevölkerung klar benennt. Eine Geschichte von großer Verletzung, von Berufung, Befreiung und Vergebung. Das Eishockeyspielen ermöglicht das Überleben. Für den Heilungsprozess braucht es die Besinnung auf die ethnischen und spirituellen Wurzeln. Und den Mut, sich helfen zu lassen und den Weg zurück zu gehen. Ein Buch vom oft chaotischen Spiel des Lebens, das auf eine magische Weise schön ist. „Wie wollen wir das spielen?“ „Zusammen.“ „Der gefrorene Himmel“ war der erste Roman von Richard Wagamese, den ich gelesen habe, er ist sicher nicht der letzte. Diese wichtige Stimme der First Nations ist nun leider für immer verstummt, doch in seinen Büchern klingt sie weiter, über die Sprach- und Ländergrenzen hinweg. Und stellt uns die Frage nach unseren eigenen Wurzeln und unserer eigenen Geschichte: „Wenn wir im Frieden mit uns selbst leben wollen, müssen wir unsere Geschichten erzählen.“ Ein unverzichtbares Buch für alle, die sich für das Schicksal der indigenen Bevölkerung Nordamerikas im 20. Jahrhundert interessieren. Und für alle, die den Glauben an die positiven Kräfte des Lebens und der Gemeinschaft noch nicht verloren haben.

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Vita

Richard Wagamese, geboren 1955 im Nordwesten Ontarios, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Kanadas und indigenen Stimmen der First Nations. Er veröffentlichte 15 Bücher, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Publikumspreis des Canada-Reads-Programms des staatlichen Rundfunks für den Roman "Der gefrorene Himmel", dessen von Clint Eastwood produzierte Verfilmung ebenfalls preisgekrönt wurde. Als Kind von seinen Eltern getrennt, aufgewachsen in Heimen und bei Pflegefamilien, die ihm eine Beziehung zu seinen indigenen Wurzeln verboten, wurde Wagamese erst im Alter von 23 Jahren wieder mit seiner Familie vereint. Er ließ sich in Kamloops, British Columbia, nieder, wo ihm später von der Thompson Rivers University die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Richard Wagamese verstarb im Jahr 2017.

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Ingo Herzke

Ingo Herzke, Jahrgang 1966, hat Klassische Philologie, Anglistik und Geschichte in Göttingen und Glasgow studiert. Seit 1999 lebt er mit seiner Familie in Hamburg und übersetzt neben Gary Shteyngart u. a. Alan Bennett, Nick Hornby, A. L. Kennedy, Kate de Goldi, Joshua Cohen und A. M. Homes.

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