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Abdulrazak Gurnah

Das verlorene Paradies

Roman. Nobelpreis für Literatur 2021

(7)

Bestseller Platz 17
Spiegel Hardcover Belletristik

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Endlich wieder in deutscher Übersetzung lieferbar: das Buch, mit dem Abdulrazak Gurnah der Durchbruch gelang

Ostafrika, Ende des 19. Jahrhunderts: Der zwölfjährige Yusuf führt mit seiner Familie ein einfaches Leben auf dem Land. Als der Vater sich mit seinem kleinen Hotel verschuldet, wird Yusuf in die Hände von Onkel Aziz gegeben und landet im lebhaften Treiben der Stadt, zwischen afrikanischen Muslimen, christlichen Missionaren und indischen Geldverleihern. Die Gemeinschaft dieser Menschen ist alles andere als selbstverständlich und von subtilen Hierarchien bestimmt. Yusuf hilft in Aziz‘ Laden und bei der Pflege seines paradiesisch anmutenden Gartens. Doch als der Kaufmann ihn auf eine Karawanenreise ins Landesinnere mitnimmt, endet Yusufs Jugend abrupt. Die gefährliche Unternehmung bringt Krankheit und Tod und zeigt allen Teilnehmern schmerzhaft, dass die traditionelle Art des Handels keine Zukunft mehr hat. Was Yusuf erlebt, lässt ihn erwachsen werden. So verliebt sich der junge Mann nach seiner Heimkehr kopfüber, aber er und alle um ihn herum werden brutal mit der neuen Realität der deutschen Kolonialherrschaft konfrontiert.

Einfühlsam, lebendig und in leichtem, humorvollem Ton, erzählt Abdulrazak Gurnah in »Das verlorene Paradies« vom Erwachsenwerden in Zeiten des kolonialen Umbruchs. Im Original 1994 erschienen, stand der Roman u.a. auf der Shortlist des Booker Prize und stellte für Gurnah den Durchbruch als Schriftsteller dar. Jetzt ist er endlich wieder in der Übersetzung von Inge Leipold auf Deutsch zu lesen.

»Unterhaltsamer und aufrichtiger kann Humanismus kaum dargestellt werden.«

Deutschlandfunk "Büchermarkt", Jan Drees (12. December 2021)

Aus dem Englischen von Inge Leipold
Originaltitel: Paradise
Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-328-60258-3
Erschienen am  08. December 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Das Paradies als Gegenteil der Zukunft?

Von: Michael von Kuhle Bücher

11.01.2022

Yusuf ist zwölf Jahre, als er am Bahnhof nicht nur die wenigen Züge bestaunt, sondern selbst einsteigt und zum Meer fährt. Onkel Aziz, ein edler Kaufmann, nimmt ihn mit in seine Stadt am Meer, in sein Haus mit großem Garten, großen, Schatten spendenden Bäumen, Orangen und Granatäpfeln, einem großen Teich mit Springbrunnen und kleinen Kanälen. Yusuf ist zwölf, als er sein Paradies verliert, als sein Vater eine Schuld begleicht bei Onkel Aziz, der nie sein Onkel war, nun aber sein Seyyid wird. Die Jahre vergehen schnell fernab der Familie und Yusuf wächst heran zu einem bildhübschen Mann. Die abergläubischen Bewohner:innen der Gegend sprechen ihm heilige Kräfte zu. Um ihn zu schützen, nimmt der Seyyid Yusuf mit auf seine Karawane ins Landesinnere, lässt ihn Lektionen lernen und später bei einem Handelspartner in den Bergen zurück. Auch dort lernt er viel über das Leben, die Menschen, die Natur, Gott und über sich. Yusuf wird zum Talisman der reisenden Karawane und ein Glücksbringer, der von seinem Glück gar nichts weiß. Wovon er weiß, sind die vielen Fragen und die Worte der Männer, die meinen, die Askaris, die Deutschen kommen und nehmen, ohne zu geben. Auf seiner Reise erlebt der Protagonist das Ende des traditionellen Lebens in Ostafrika, das Bersten tribaler Strukturen und des althergebrachten Handels mit Waren und Sklaven. Die europäischen Mächte kolonialisieren den schwarzen Kontinent und zwingen ihm ihr Leben auf. Abdulrazak Gurnah schreibt auf 321 Seiten zuzüglich Glossar von dieser Zeit geradezu mystisch. Seine literarische Welt aus Glauben und Aberglauben, Gottvertrauen und Lästerung wird schattiert von Afrikas Wildnis, Weite, Brutalität, die zwischen den Menschen, so ungleich sie auch sein mögen, vertraute, manchmal sogar liebevolle Züge annimmt. Gleichwohl sind Armut und Unfreiheit Stützen einer sterbenden Kultur und Säulen des bereits 1994 erschienenen Romans ‚Das verlorene Paradies‘. Mit Gurnahs Durchbruchsroman ist hingegen keine Zeit verloren – ganz im Gegenteil. Gurnah hat ein modernes Märchen aus alten Zeiten zu Papier gebracht, das zwar durch seine Fülle an Namen und arabischen Begriffen den Lesefluss stört, nichtsdestotrotz mitnimmt in die multiethnische Welt Ostafrikas vor 120 Jahren. ‚Das verlorene Paradies‘ ist ein Roman, der nicht schont, der erbarmungslos ist wie die Steppe. Der verzaubert und mitreißt und moralisch wenig kommentiert, was einerseits verstört und andererseits ganz wohltuend ist und für tiefe innere Ruhe spricht. Mein Fazit: Anderthalb Daumen hoch.

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Eine längst fällige Übersetzung

Von: books.of.aly

09.01.2022

Abdulrazak Gurnah bekam letztes Jahr den Literaturnobelpreis und ganz Feuilleton-Deutschland hatte eine Reaktion: Wer?! Es ist wirklich eine Schande, dass Abdulrazak Gurnah erst jetzt im deutschsprachigen Raum wahrgenommen wird, gab es doch sogar 1996, zwei Jahre nach Erscheinen, eine deutsche Übersetzung seines Werkes "Das verlorene Paradies". Aber wenigstens wird der Roman nun endlich auch hier verstärkt gelesen. Dass dieses Buch vor fast 30 Jahren geschrieben wurde, merkt man, meines Erachtens nach, beim Lesen kaum. Es fühlt sich leider nicht an, als würde Gurnah über Vergangenes schreiben - nein, er schreibt über Kolonialismus, Wirtschaft, Habgier, Menschenhandel in einem zeitlosen Ton, der das unangenehme Gefühl herauskitzelt, dass es immer Menschen gibt, denen es besser als anderen geht und die diesen Vorteil zu ihren Gunsten ausnutzen. Und dass vor allem weiße Menschen sich immer gerne nehmen, was sie wollen, ohne Rücksicht auf Verluste. "Das verlorene Paradies" handelt von Yusuf, einem Jungen, der seiner Familie entrissen wird, weil sein Vater einem reichen Händler Geld schuldet. Yusuf arbeitet ab diesem Moment für den Händler, reist mit ihm durch das ostafrikanische Land, lernt neue Menschen und Sitten kennen und wird langsam erwachsen. Dabei schnappt er im Laufe der Jahre immer wieder Gespräche auf, die von Europäern handeln, welche das Land versuchen einzunehmen. Vor allem die Deutschen seien sehr gefährlich. Mehr möchte ich nicht von der Story vorwegnehmen - aber ist es nicht ironisch & traurig zugleich, dass dieses Buch in Deutschland bis vor kurzem keine Relevanz hatte? 🤔

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Vita

Abdulrazak Gurnah (geb. 1948 im Sultanat Sansibar) wurde 2021 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er hat bislang zehn Romane veröffentlicht, darunter »Paradise« (1994; dt. »Das verlorene Paradies«; nominiert für den Booker Prize), »Admiring Silence« (1996; »Donnernde Stille«), »By the Sea« (2001; »Ferne Gestade«; nominiert für den Booker Prize und den Los Angeles Times Book Award), »Desertion« (2006; »Die Abtrünnigen«; nominiert für den Commonwealth Writers' Prize) und »Afterlives« (2020; »Nachleben«; nominiert für den Walter Scott Prize und den Orwell Prize for Fiction). Gurnah ist Professor emeritus für englische und postkoloniale Literatur an der University of Kent. Er lebt in Canterbury. Seine Werke erscheinen auf Deutsch im Penguin Verlag.

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Inge Leipold

Inge Leipold (1946–2010) arbeitete als Lektorin, bevor sie sich 1982 als Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen selbstständig machte. 1999 war sie Translator in Residence an der University of Wales in Swansea, 2005 Übersetzerin in Residence beim Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen. Zu den von ihr übertragenen Autorinnen und Autoren gehören Russell Banks, Claire Keegan, Gemma O'Connor und Abdulrazak Gurnah.

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Events

15. März 2022

Lesung und Gespräch mit Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah

20:00 Uhr | München | Lesungen
Abdulrazak Gurnah
Das verlorene Paradies

16. März 2022

Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah zu Gast bei der lit.COLOGNE

18:00 Uhr | Köln | Lesungen
Abdulrazak Gurnah
Das verlorene Paradies

Pressestimmen

»Wer als weißer Europäer Gurnah liest, begreift die eigene Provinzialität, den so engen Ausschnitt, mit dem er die Welt und ihre Geschichte betrachtet. Was für eine glückliche Wahl aus dem so fernen Schweden.«

DIE ZEIT, Adam Soboczynski (21. October 2021)

»Dieser Autor gibt einer bisher literarisch stummen Weltregion, Sansibar und der ostafrikanischen Küste, eine ganz eigentümliche Stimme – leise, aber unbeirrbar und unerbittlich.«

Falter, Sigrid Löffler (08. December 2021)

»Ein aufregendes, ein brutales Buch. Ein Lese-Muss.«

STERN, Oliver Creutz (09. December 2021)

»Ein vielstimmiger Roman, sprachlich nüchtern und eindringlich, auch über die deutsche Kolonialgeschichte.«

ZDF Morgenmagazin, Peter Twiehaus (14. December 2021)

»Seine Prosa ist unprätentiös, nachdenklich, eindringlich. Sein Werk politisch, ohne zu moralisieren.«

Der Freitag, Thomas Hummitzsch (09. December 2021)

»Seinem Roman ›Das verlorene Paradies‹ gelingt, was grosser Literatur immer gelingt: Sie eröffnet uns ganz neue Welten.«

Luzerner Zeitung, Julian Schütt (11. December 2021)

»Gurnah lässt seine Figuren, und mit ihnen den Leser, Neuland betreten. So unterläuft er vermeintliche Gewissheiten.«

Welt am Sonntag, Richard Kämmerlings (05. December 2021)

»Es ist diese Perspektivverschiebung, die das Werk von Gurnah so interessant macht. Die Kolonialisierung Afrikas wird hier aus Sicht der Einheimischen erzählt«

NDR Kultur; Jan Ehlert (08. December 2021)

»Nach der Lektüre ist es noch unerklärlicher, warum Gurnah hierzulande derart in Vergessenheit geraten konnte.«

Berliner Morgenpost, Felix Müller (10. December 2021)

»In diesem Paradies, das keines mehr ist, spürt Abdulrazak Gurnah der menschlichen Wärme nach , erzählt einfühlsam vom Leid der Einzelnen, ob schuldig oder nicht.«

3Sat Kulturzeit (10. December 2021)

»Gurnah erzählt unaufgeregt und farbenreich vom Leben und multiethnisch-konnotiertem Treiben in einer ostafrikanischen Küstenstadt.«

RBB Inforadio, Ute Büsing (11. December 2021)

»›Das verlorene Paradies‹ weckt den Appetit auf die weiteren Werke, die da noch ins Deutsche übersetzt werden sollen. Ein schöner Anfang ist gemacht.«

Kölner Stadtanzeiger (03. December 2021)

»Wie liest sich dieser auch heute hochaktuelle Anspruch einer Geschichtsschreibung von ›unten‹ im konkreten Fall? Bunt und lebhaft!«

Der Standard, Michael Wurmitzer (09. December 2021)

»Der Reichtum dieses Romans liegt in der Erfahrung, die eine unberechenbare Welt wider Willen beschert.«

Der Spiegel, "Bestseller", Elke Schmitter (27. November 2021)

»Das verlorene Paradies‘ beschreibt in bildhafter, eindrücklicher Sprache eine Welt von gestern, in der die Lebensumstände keineswegs paradiesisch waren.«

Oberösterreichisches Volksblatt, W. Huber-Lang (10. December 2021)

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