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Marie Gamillscheg

Aufruhr der Meerestiere

Roman

Hardcover
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Luise ist klug, Luise ist unabhängig, Luise ist eine Insel. Als Meeresbiologin hat Luise sich einen exzellenten Ruf erarbeitet, ihr Spezialgebiet: die Meerwalnuss, eine geisterhaft illuminierte Qualle im Dunkel der Ozeane. Als Luise für ein Projekt mit einem renommierten Tierpark nach Graz reisen soll, zögert sie nicht lang. Doch Graz, das ist auch ihre Heimatstadt, das ist die Wohnung ihres abwesenden und plötzlich erkrankten Vaters. Und das ist die Geschichte einer jahrelangen Sprachlosigkeit und Fremdheit zwischen ihnen.

Soghaft und strömend erzählt Marie Gamillscheg von der allmählichen Befreiung aus den Zwängen der eigenen Kindheit, des eigenen Körpers und aus den Gesetzen, die andere für einen gemacht haben. Es ist zugleich der Versuch, die Unmöglichkeit einer Beziehung zu erfassen: zwischen Mensch und Tier, Mann und Frau, Vater und Tochter.

»Marie Gamillschegs Roman ›Aufruhr der Meerestiere‹ rüttelt an unserem einseitigen Blick auf unseren Platz in der Welt.«


Hardcover mit Schutzumschlag, 304 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87562-0
Erschienen am  08. March 2022
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Emotional und berührend

Von: Buechermadl

01.07.2022

Klappentext Soghaft und strömend erzählt Marie Gamillscheg von einer jungen Meeresbiologin, einer geisterhaften Qualle im Dunkel der Ozeane und einer unmöglichen Vater-Tochter Beziehung. Ein abgründig spielerischer Roman über die Unsicherheit des Erwachsensein, die Suche nach Nähe und Gemeinschaft, über das dünne Eis der Selbstbehauptung. Cover Das Cover ist wirklich toll, die bunten Farben sprechen mich total an. Schreibstil Der Schreibstil ist angenehm und hat mich sofort gefesselt und mitgezogen. Inhalt/Rezension Luise darf für ein Projekt in ihre Heimatstadt Graz reisen. Doch dort erwartet sie ihr Vater, zu dem sie keinen guten Draht hat. Sie erlebt eine Kindheit, die nicht sehr einfach ist. Das Verhältnis zu ihren Eltern ist gestört, ihre Mutter ist kaum für sie da und ihr Vater zeigt ihr ein fragwürdiges Bild von sich. Luise entwickelt eine Essstörung, die sie sehr lange begleitet und zieht sich immer mehr zurück. Die Autorin schafft es gekonnt, die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit verschwimmen zu lassen und man ist gefesselt und betroffen. Ich habe beim Lesen oft darüber nachgedacht, wie wichtig die Eltern als Vorbild sind und was der Umgang mit den Kindern ausmacht. Die Geschichte hat mich sehr berührt und emotional aufgewühlt. Fazit Ein Buch, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Zum Buch Autorin: Marie Gamillscheg Preis: 22 Euro Verlag: Luchterhand Buchlänge: 304 Seiten

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Strudel der Gefühle

Von: Fraedherike

05.06.2022

"Wie kann ich Nähe zu einem Wesen herstellen, das sich mir stetig entzieht? Wie kann ich Verantwortung für dieses Wesen übernehmen, wenn es mir doch immer fremd bleiben wird?" (S. 135) Scheinbar schwerelos gleitet sie durch das Wasser, blaugrün leuchtend begrenzen ihre Rippen den bauchigen Körper: die Meerwalnuss. Die Meeresbiologin Luise ist seit jeher von den Rippenquallen beeindruckt, und hat sich an ihrem Forschungsinstitut in Kiel einen Namen als Expertin für diese Wesen gemacht. Als sie das Angebot bekommt, für ein Projekt mit einem Tierpark nach Graz zu fahren, sagt sie sofort zu. Doch schnell wird ihr Vorfreude getrübt: Graz, das ist auch ihre Heimatstadt - und da ist die Wohnung ihres Vaters, in der sie während ihres Aufenthalts wohnen würde. Eines Vaters, der immer abwesend und fremd, sprachlos war, denn sie hatten sich ihrer gemeinsamen Sprache irgendwann bewusst verweigert. "Jede Geschichte lässt sich auf mehrere Arten erzählen. Als Entdeckung oder als Eroberung, als Siegeszug oder als Untergang. Es hat nicht einmal jede den gleichen Anfang, es gibt auf jeden Fall nie ein Ende." (S. 85) Schwebend, nicht greifbar, aber in dieser Verletzlichkeit so unglaublich kraftvoll erzählt Marie Gamillscheg in "Aufruhr der Meerestiere" einerseits von einer durch frühere Traumata geprägten Vater-Tochter-Beziehung und den Spuren, die diese hinterlassen haben, vielmehr jedoch ist es die Geschichte einer jungen Frau, die Halt und ihre (Körper-)Grenzen sucht und aus den ihr auferlegten Schablonen, vatergegebenen Grenzen auszubrechen versucht. Während ihre Mutter in ihrem Leben kaum präsent zeigt, ist es immer der Vater, zu dem sie als kleines Kind Kontakt suchte. Doch gerade dieses Streben soll ihrem Verhältnis, je älter Luise wird, zum Verhängnis werden: Er vermittelt dem noch jungen Mädchen ein toxisches Bild, wie Frauen zu sein, ihre Körper auszusehen haben. Es scheint fast, er hat Angst vor ihr, seine Blicke zeugen von Scham. Die Folge: Luise ekelt sich vor sich selbst, ihrem Körper und entwickelt eine Essstörung, die sie bis in ihr Erwachsensein begleitet. Immer wieder sagt sie, dass sie nur im Hunger ein Mensch werden könne, nur dann die Grenzen ihres Selbst erahnen würde. Sie versucht, unsichtbar zu sein, versteckt sich vor der Welt, wie eine Insel, fernab des Festlands vor den Blicken verborgen, und sie verbirgt auch ihre Haut, die unter äußeren Einflüssen - Stress, Konkurrenzdruck, hohe Erwartungen - reagiert, unter Schichten von Schminke. Luise ist eine Insel, zurückgezogen und sensibel - ähnlich der Meerwalnuss, ihrem großen Faszinosum; es scheint fast, als anthropomorphisiere sie das Quallentier. Einem wild im Wind strudelnden Mobile gleich erzählt Marie Gamillscheg in Bildern aus der Gegenwart und Vergangenheit, von Luises Kindheitserinnerungen und ihren gegenwärtigen Ängsten und Gefühlen. Alles vermischt sich kaleidoskopartig, klar und großformatig, unscharf und zerrissen - und doch immer geprägt von Rastlosigkeit, Einsamkeit und unendlicher Sehnsucht, wie in Trance. Doch ebenso wichtig wie die Textfragmente sind das Dazwischen, das Ungesagte und die Stille, die noch lauter schreien. Das Buch hat mich gleichermaßen begeistert, getroffen weil angesprochen und auch verwirrt, wenn ich im Strudel von Luises Gedanken und dem, was sie sagte, meine Schwimmflügel verlor. Die Art und Weise, wie der Roman konstruiert ist, spricht für das feine Gespür der Autorin, Emotionen aufzubauen, im Kopf wachsen zu lassen und hinterrücks zu übermannen, freudig ob der Abkühlung. Einige Gedanken ihre Essstörung betreffend haben mich schon irgendwo aufblicken lassen, vergleichend, aber nicht wiedererkennend, bis auf diesen einen Satz, der unglaublich viel in sich trägt: "Ich bin so unendlich satt von mir, und dabei erinnere ich mich an kaum etwas, das ich in den letzten zwanzig Jahren erlebt habe." (S. 221) - Doch an dieses Buch werde ich mich noch lange erinnern, die Sprachbilder, den Schmerz, die Folgen unbedachter Worte.

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Vita

Marie Gamillscheg, geboren 1992 in Graz, lebt als freie Autorin in Berlin. Veröffentlichungen in zahlreichen literarischen Zeitschriften und Magazinen. Ihr Roman "Alles was glänzt" landete auf der ORF-Bestenliste, wurde für den aspekte-Literaturpreis nominiert und mit dem Österreichischen Buchpreis für das beste Debüt 2018 ausgezeichnet.

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Events

14. Juli 2022

Lesung im Rahmen des "O-Töne" Festivals

20:00 Uhr | Wien | Events
Marie Gamillscheg
Aufruhr der Meerestiere

Pressestimmen

»Mit ›Aufruhr der Meerestiere‹ hat Marie Gamillscheg einen sehr kunstvollen zweiten Roman geschrieben, der in die Tiefen der Ozeane und in die Untiefen familiärer Beziehungen entführt.«

Änne Seidel / Deutschlandfunk Kultur (08. April 2022)

»Eine faszinierende Wassermusik von der Un-Möglichkeit der Beziehungen – nicht nur zwischen Mensch und Tier.«

Bettina Hesse / WDR 5 (12. March 2022)

»Mit ›Aufruhr der Meerestiere‹ ist Marie Gamillscheg ein trauriges und hochpoetisches Buch gelungen, ein Roman, der auf zauberhaft-schwermütige Weise mit Motiven des Fließens, Driftens und Strömens spielt, musikalisch-schwebend, leichtfüßig und hoffnungslos zugleich.«

Günter Kaindlstorfer / Ö1 (20. March 2022)

»Ein Erzählwerk, das heilsam verunsichert.«

Ronald Pohl / Der Standard (04. April 2022)

»Das Ergebnis ist ein Roman, der mit großer Sicherheit Gamillschegs Rang als eine der spannendsten jungen Stimmen der deutschsprachigen Literatur zementieren wird.«

Christoph Hartner / Kronen Zeitung (11. March 2022)

»Ein großartiger, heutiger Roman, der zusätzlich mit einem brillanten Stil besticht!«

Angelo Algieri / Literaturhaus Wien (07. March 2022)

»Es ist ein einzigartiger Stil, der Möglichkeiten modernen Schreibens auslotet und gleichsam ein neues Genre kreiert.«

Walter Pobaschnig / literaturoutdoors.com (14. March 2022)

»Eine starke Erzählung über die behutsame und doch schmerzhafte Befreiung einer jungen Frau von Rollenzwängen und prägenden Vergangenheitserlebnissen.«

Weitere Bücher der Autorin