Komm mit nach Emberfall!

Einst war Emberfall ein mächtiges Königreich. Dann lud der junge Prinz Rhen einen schrecklichen Fluch auf sich. Seither muss er innerhalb eines Jahres ein Mädchen finden, das ihn auf ewig liebt. Gelingt es ihm nicht, verwandelt er sich in eine Bestie, und das Mädchen muss sterben. Jahr für Jahr. Bis er Harper auserwählt, ein Mädchen aus dem heutigen Washington D.C., das schon mit ganz anderen Kerlen fertiggeworden ist. Zornig und mutig bekämpft sie ihn – bis sie den wahren Rhen erkennt. Aber wird ihre Liebe reichen, um sie beide vor dem Tod zu bewahren?

»Ein Fluch so ewig und kalt« ist der erste Band der Emberfall-Trilogie, die bis zum August 2021 komplett erscheint.

Die Emberfall-Trilogie:

Brigid Kemmerer
© Kimberly Dean

Brigid Kemmerer

ist eine New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie hat bereits mehrere Jugendbücher veröffentlicht. »Ein Fluch so ewig und kalt« ist der Auftakt zu ihrer neuen Bestseller-Trilogie aus der magischen Welt von Emberfall. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren vier Jungen in der Nähe von Baltimore.

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Leseprobe: RHEN

Da ist Blut unter meinen Fingernägeln. Ich frage mich, wie viele von meinen Leuten ich dieses Mal getötet habe.

Entschlossen tauche ich die Hände in das Fass neben den Ställen. Das eiskalte Wasser beißt in meine Haut, aber das Blut geht nicht ab. Das bräuchte mich nicht zu kümmern, weil es in einer Stunde sowieso weg sein wird, aber ich hasse es. Das Blut. Die Ungewissheit.

Irgendwo hinter mir sind Hufschläge auf dem Kopfsteinpflaster zu hören, begleitet vom Klirren eines Zaumzeugs. Ich muss nicht hinsehen. Mein Wachkommandant folgt mir immer in sicherer Entfernung, bis die Verwandlung abgeschlossen ist. Wachkommandant.

Als ob Grey noch Männer zum Kommandieren hätte. Als ob ihm der Titel nicht mangels Konkurrenz selbst zugefallen wäre.Ich streife das Wasser von meinen Händen und drehe mich um. Grey steht ein paar Meter entfernt und hält Ironheart, das schnellste Pferd im Stall, am Zügel. Das Tier atmet schwer, Brust und Flanken sind trotz der frühmorgendlichen Kühle schweißnass.Obwohl wir hier schon lange festsitzen, ist Greys Erscheinung trotzdem eine fortwährende Überraschung: Er sieht noch genauso jung aus wie an dem Tag, als er einen Posten in der elitären Königsgarde erhalten hat. Sein dunkles Haar ist leicht zerzaust, sein Gesicht faltenlos. Die Uniform passt ihm immer noch gut, jede Schnalle, jeder Riemen sitzt perfekt, jede Waffe glänzt in der Dämmerung.

Einst trug er Feuereifer im Blick, glitzerndes Verlangen nach Abenteuer und Herausforderung.

Das alles ist längst verschwunden – aber das ist schon das Einzige an ihm, was der Fluch nicht immer wieder aufs Neue herstellt.

Ich frage mich, ob mein unverändertes Aussehen ihn auch erschreckt.

»Wie viele?«, frage ich.

»Keiner. Alle Eure Leute sind für diesmal in Sicherheit.«

Für diesmal. Ich sollte erleichtert sein und bin es nicht. Die Menschen werden schon bald wieder in Gefahr sein. »Und das Mädchen?«

»Weg. Wie immer.«

Ich schaue erneut auf meine blutbefleckten Hände, und eine vertraute Enge schnürt mir den Brustkorb zu. Dann trete ich noch mal an das Fass und tauche meine Hände ins Wasser. Es ist so kalt, dass es mir beinahe den Atem verschlägt.

»Ich bin über und über mit Blut besudelt, Kommandant.«

Eine schwache Regung von Zorn breitet sich in mir aus. »Ich muss irgendwas getötet haben.«

Als würde es die Gefahr spüren, stampft und tänzelt sein Pferd am Zügel. Grey streckt die Hand aus, um das Tier zu beruhigen.Früher wäre ein Stallbursche herbeigeeilt, um das Pferd zu übernehmen. Einst gab es ein Schloss voller Höflinge und Geschichtsschreiber und Ratgeber, die für ein bisschen Klatsch und Tratsch über Prinz Rhen, den Thronerben von Emberfall, sogar bezahlt hätten. Früher gab es eine Königsfamilie, die über meine Eskapaden die Stirn gerunzelt hätte.

Doch jetzt gibt es nur noch mich und Grey.

»Ich habe eine Spur Menschenblut auf dem Pfad hinterlassen, der aus dem Wald führt«, sagt er, ungerührt von meinem gereizten Ton, der ihm bereits vertraut ist. »Das Pferd hat eine sinnlose Verfolgungsjagd angeführt, bis Ihr im südlichsten Teil Eures Territoriums auf eine Herde Hirsche gestoßen seid. Von den Dörfern haben wir uns ferngehalten.«

Das erklärt den Zustand des Pferds. Wir haben heute Nacht eine weite Strecke zurückgelegt.

»Ich übernehme das Pferd«, sage ich. »Die Sonne wird bald aufgehen.«

Grey gibt mir die Zügel. Diese letzte Stunde ist immer die schwerste. Voller Bedauern über mein erneutes Scheitern. Wie immer wünsche ich mir nur noch, es wäre vorbei.

»Irgendwelche besonderen Wünsche, Mylord?«

Ganz am Anfang war ich leichtfertig genug, darauf mit Ja zu antworten. Ich habe mir Blonde oder Brünette gewünscht. Große Brüste, lange Beine oder eine schmale Taille. Ich habe ihnen Wein eingeschenkt und umwarb sie, und wenn sie mich nicht geliebt haben, war rasch eine andere gefunden. Anfangs war mir der Fluch noch wie ein Spiel erschienen.

Such mir eine, die dir gefällt, Grey, pflegte ich lachend zu sagen, als wäre es ein Privileg, Frauen für seinen Prinzen zu finden.

Dann veränderte ich mich, und das Ungeheuer wütete im Schloss und hinterließ ein Blutbad.

Als all das aber von vorne begann, hatte ich keine Familie mehr. Keine Dienerschaft. Nur noch sechs Wachen, zwei davon schwer verletzt.

Beim dritten Versuch war mir nur noch einer geblieben.

Grey wartet auf eine Antwort. Ich sehe ihm in die Augen. »Nein, Kommandant. Jede ist recht.« Seufzend führe ich das Pferd in Richtung der Stallungen, doch dann bleibe ich noch mal stehen und drehe mich um. »Wessen Blut war das auf dem Pfad?«

Grey hebt einen Arm und schiebt den Ärmel zurück. Aus einer langen Schnittwunde tropft immer noch Blut auf seine Hand. Ein dünnes dunkelrotes Rinnsal.

Ich gebe ihm die Anweisung, sich zu verbinden, aber in einer Stunde, wenn die Sonne aufgegangen ist, wird die Wunde ohnehin verschwunden sein.

Genauso wie das Blut an meinen Händen und der Schweiß auf den Flanken des Pferds. Das Kopfsteinpflaster wird sich von den Strahlen der Morgensonne erwärmen und mein Atem nicht mehr als Wölkchen zu sehen sein.

Grey wird ein neues Mädchen bringen, und das alles wird erneut beginnen.

Es wird wieder Herbst sein. Die Jahreszeit wird von Neuem anfangen – der Beginn eines neuen Versuchs.

Ich werde wieder achtzehn.

Zum 327. Mal.

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Erscheint am 21. Juni 2021.

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Erscheint am 16. August 2021.

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