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Alex Beer im Interview

Ein jüdischer Antiquar, getarnt als hochrangiger Nazi-Ermittler ...

»Alex Beer kann einfach historische Spannung.« Emotion

Alex Beer
© Ian Ehm
Bitte stellen Sie sich uns mit einer kurzen Vita vor:
Ich wurde an einem Karfreitag geboren (vielleicht wurde mir damals schon der Hang zum Morbiden in die Wiege gelegt). Es folgten eine Kindheit am Land, ein Studium in Wien (Wirtschaft und Archäologie), ein kurzer Abstecher in die Welt der Werbung und mehrere Auslandsaufenthalte (u.a. New York und Berlin). Seit 2008 lebe ich als freischaffende Schriftstellerin in Wien.

Was ist Ihr gelernter Beruf bzw. üben Sie aktuell neben dem Schreiben noch eine weitere berufliche Tätigkeit aus?
Ich habe Betriebswirtschaft studiert (Prozess- und Projektmanagement um genau zu sein), sowie Archäologie (Ur- und Frühgeschichte). Seit einigen Jahren genieße ich den Luxus, mich voll und ganz dem Schreiben widmen zu können.

Würden Sie uns ein wenig von sich persönlich erzählen – von Ihren Hobbys, Ihrer aktuellen Lebenssituation, Ihrem Traum vom Glück …?
Ich lebe gemeinsam mit meinem Mann und einem dicken Kater namens Herr Karl ganz in der Nähe des Stephansdoms, in einer Wohnung voller Bücher und Magazine. Mein Beruf ist gleichzeitig mein Hobby, weshalb ich die meiste Zeit mit Lesen und Schreiben verbringe (gerne auch im Café oder der Österreichischen Nationalbibliothek, was derzeit zwar leider nicht möglich ist, aber ich freue mich schon sehr darauf).

Womit kann man Sie wütend machen und richtig auf die Palme bringen?
Intoleranz, Verschwörungstheorien, Dummheit.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Mit jedem Buch besser werden.

Verraten Sie uns bitte fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Ich fürchte mich vor Clowns.
2. Ich habe ein Faible für roten Lippenstift und besitze einen Haufen davon.
3. Ich kann den Sommer nicht ausstehen (dafür liebe ich Herbst und Winter).
4. Mein Kleiderschrank besteht zu 90 % aus schwarzen Hosen, gestreiften T-Shirts und weißen Turnschuhen (ich hasse Shopping, und kaufe darum einfach immer das Gleiche).
5. Ich habe ein ziemlich schmutziges Mundwerk, und muss mich immer schwer zusammenreißen, um nicht negativ aufzufallen.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich war als Projektassistentin in einem New Yorker Verlag tätig und bin dort zu der Erkenntnis gelangt, dass die Arbeit auf der kreativen Seite schöner ist. Die rund eineinhalb Stunden, die ich jeden Tag in der U-Bahn quer durch Brooklyn verbracht habe, habe ich genutzt, um mein erstes Buch zu schreiben.

Irgendwann wurde mir gesagt, dass meine Sprache altmodisch angehaucht ist, also dachte ich mir »mach doch aus der Not eine Tugend und versuch dich an einem historischen Stoff«. Ich bin dann recht bald auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gestoßen, und war völlig fasziniert davon. Diese dunkle, exaltierte Seite von Wien – zwischen politischen Unruhen und wildem Nachtleben, zwischen Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsängsten – war mir gänzlich unbekannt. In der Schule hatte ich viel über die Habsburgermonarchie und den Zweiten Weltkrieg gelernt, die Phase dazwischen wurde fast zur Gänze ausgespart – für mich völlig unverständlich, ist die Erste Republik doch mitunter einer der spannendsten und aufregendsten Zeitabschnitte, die unser Land zu bieten hat.

Was inspiriert Sie und wie finden Sie Ihre Themen?
Für die historischen Stoffe ist es wichtig, so tief wie möglich in die jeweilige Epoche einzutauchen. Bevor ich mir eine Handlung ausdenke, versuche ich so viel Zeitkolorit wie möglich zu erfahren und lese deswegen alle Zeitungen, Magazine, Biografien, politische Abhandlungen, etc. die ich in die Finger kriege. Das kann manchmal ganz schön ausarten und dazu führen, dass ich hunderte von Stunden in der Nationalbibliothek, dem Staatsarchiv und ähnlichen Einrichtungen verbringe, bevor ich überhaupt das erste Wort aufs Papier bringe.

Die vielen angesammelten Fakten, Berichte, Anekdoten ... fügen sich irgendwann zu einem Gesamtbild, in das ich dann ein Verbrechen einbaue.

Bitte fassen Sie in wenigen Sätzen »Unter Wölfen – Der verborgene Feind« für uns zusammen:
Nürnberg, April 1942: Der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein, der sich noch immer als Sonderermittler Adolf Weissmann ausgibt, lässt sich auf eine Liaison mit der Nazigröße Ursula von Rahn ein. Durch sie erhält er Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen und bekommt Einsicht in die Pläne der Gegenseite. Doch dann wird Nürnberg plötzlich von brutalen Morden erschüttert. Zwei junge Frauen werden erdrosselt aufgefunden. Ausgerechnet Isaak bekommt von Berlin die Order, den »Würger« aufzuspüren. Darüber hinaus hat er noch ganz andere Probleme: Seine Popularität hat Neider auf den Plan gerufen und besonders ein Mann könnte ihm gefährlich werden …

Was bzw. welche Szene darin war am schwierigsten zu schreiben?
Dieses Mal fand ich die Anfangssequenz recht schwierig. Wie komme ich am besten in die Geschichte hinein? Wie kann ich dem Leser sofort Lust auf mehr machen? Treffe ich den richtigen Tonfall? ... Nach den ersten paar Seiten hat sich dann aber ein gewisser Fluss entwickelt, und seither schreibt es sich gut.

Haben Sie eine Lieblingsszene oder -figur?
Haben Sie ein Lieblingskind? ;-)

Gibt es bestimmte geografische Orte, zu denen Sie und Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Ich selbst stamme aus Vorarlberg, lebe aber seit mehr als zwanzig Jahren in Wien. Mein Vater stammt aus Tirol, ein Teil meiner Familie lebt in Berlin, und ich habe einige Zeit in New York verbracht. Meine Bücher spielen in Wien und Nürnberg.

Hat Ihr aktuelles Buch autobiografische Züge bzw. lassen Sie persönliche Erfahrungen in die Geschichte einfließen? Beruht Ihr Buch auf wahren Begebenheiten?
Die Geschichte selbst ist frei erfunden, die Rahmenbedingungen beruhen aber auf wahren Begebenheiten.

Wie haben Sie für ihr aktuelles Buch recherchiert?
Ich habe viel in Archiven recherchiert und dort Gebäudegrundrisse und Stadtpläne studiert. Die Alltagsdetails aus früheren Zeiten finde ich fast nur in alten Büchern, (Auto-)Biografien und Zeitungen, und ich liebe es, in diesen in der Nationalbibliothek zu stöbern.

Möchten Sie Ihren Lesern mit Ihrem aktuellen Buch eine bestimmte Botschaft mitgeben?
Es gibt viele Parallelen zwischen damals und heute. Z.B. das Auseinanderdriften unserer Gesellschaft. Die Gegensätze und Umbrüche werden größer, und es gibt sehr viele Verlierer. Der unverschuldete soziale Abstieg zahlreicher, oft arbeitender Menschen wird nicht nur hingenommen, sondern mit Beschwörungen verharmlost. Wer sich genug anstrengt, schafft es, heißt es immer wieder – obwohl Studien belegen, dass Menschen aus höheren Schichten schon in ihren ersten Lebensjahren so viel Vorsprung anhäufen, dass dieser nicht von anderen aufgeholt werden kann. Und diese Ungleichheit kann fatale Folgen haben. Politische Hetzer profilieren sich wieder mit Feindbildern. Früher hat man die Schuld an unsicheren Zeiten den Juden zugeschoben, und auch heute ist Antisemitismus wieder allgegenwärtig. Flüchtlinge werden ebenfalls als Schuldige angeprangert, und es ist leider typisch für die menschliche Psyche, dass diese Lügen bei bestimmten Gruppen großen Anklang finden. Das ist eine gefährliche Entwicklung, die mir Sorge bereitet.

Ein kurzer Gruß an Ihre Leser*innen:

Liebe Leserinnen und Leser,

wie toll, dass Sie sich für Isaak Rubinstein entschieden haben. Ich hoffe, das Buch hat Ihnen das beschert, was Sie sich davon erwartet haben (Spannung, Unterhaltung oder einfach nur einen Einblick in das düstere N der Zwischenkriegszeit). Lassen Sie mich doch wissen, ob es Ihnen gefallen hat und ob Sie Anregungen für die kommenden Bände haben. Ich freue mich sehr über Ihre Meinung – gerne per Mail (office@alex-beer.com), über meine diversen Social Media Kanäle (z.B. https://www.facebook.com/Alex.Beer.Writer/) oder einfach bei der nächsten Lesung.

Ich freue mich auf Sie!
Alex Beer

Unter Wölfen - Der verborgene Feind

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